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Heinrich von Kleist: Prinz Friedrich von Homburg

Inhalt

[Ein Schauspiel] [Personen:]

Erster Akt

[Erster Auftritt] [Abs. 1] [Zweiter Auftritt] [Dritter Auftritt] [Vierter Auftritt] [Fünfter Auftritt] [Sechster Auftritt]

Zweiter Akt

[Erster Auftritt] [Zweiter Auftritt] [Dritter Auftritt] [Vierter Auftritt] [Fünfter Auftritt] [Sechster Auftritt] [Siebenter Auftritt] [Achter Auftritt] [Neunter Auftritt] [Zehnter Auftritt]

Dritter Akt

[Erster Auftritt] [Zweiter Auftritt] [Dritter Auftritt] [Vierter Auftritt] [Fünfter Auftritt]

Vierter Akt

[Erster Auftritt] [Zweiter Auftritt] [Dritter Auftritt] [Vierter Auftritt]

Fünfter Akt

[Erster Auftritt] [Zweiter Auftritt] [Dritter Auftritt] [Vierter Auftritt] [Fünfter Auftritt] [Sechster Auftritt] [Siebenter Auftritt] [Achter Auftritt] [Neunter Auftritt] [Zehnter Auftritt] [Elfter Auftritt]

Zweiter Akt

Erster Auftritt

Szene: Schlachtfeld bei Fehrbellin.

Obrist Kottwitz, Graf Hohenzollern, Rittmeister von der Golz, und andere Offiziere, an der Spitze der Reuterei, treten auf.

Obrist Kottwitz (außerhalb der Szene).
Halt hier die Reuterei, und abgesessen!

Hohenzollern und Golz (treten auf).
Halt!--Halt!

Obrist Kottwitz. Wer hilft vom Pferde mir, ihr Freunde?

Hohenzollern und Golz.
Hier, Alter, hier! (Sie treten wieder zurück..)

Obrist Kottwitz (außerhalb).
Habt Dank!--Ouf! Daß die Pest mich!
--Ein edler Sohn, für euren Dienst, jedwedem,
Der euch, wenn ihr zerfallt, ein Gleiches tut!

(Er tritt auf; Hohenzollern, Golz und andere, hinter ihm.)

Ja, auf dem Roß fühl ich voll Tugend mich;
Doch sitz ich ab, da hebt ein Strauß sich an,
Als ob sich Leib und Seele kämpfend trennten!

(Er sieht sich um.)

Wo ist des Prinzen, unsers Führers, Durchlaucht?

Hohenzollern.
Der Prinz kehrt gleich zu dir zurück!

Obrist Kottwitz. Wo ist er?

Hohenzollern.
Er ritt ins Dorf, das dir, versteckt in Büschen,
Zur Seite blieb. Er wird gleich wiederkommen.

Ein Offizier.
Zur Nachtzeit, hör ich, fiel er mit dem Pferd?

Hohenzollern.
Ich glaube, ja.

Obrist Kottwitz. Er fiel?

Hohenzollern (wendet sich). Nichts von Bedeutung!
Sein Rappe scheute an der Mühle sich,
Jedoch, leichthin zur Seite niedergleitend,
Tat er auch nicht den mindsten Schaden sich.
Es ist den Odem keiner Sorge wert.

Obrist Kottwitz (auf einen Hügel tretend).
Ein schöner Tag, so wahr ich Leben atme!
Ein Tag von Gott, dem hohen Herrn der Welt,
Gemacht zu süßerm Ding als sich zu schlagen!
Die Sonne schimmert rötlich durch die Wolken,
Und die Gefühle flattern, mit der Lerche,
Zum heitern Duft des Himmels jubelnd auf!--

Golz.
Hast du den Marschall Dörfling aufgefunden?

Obrist Kottwitz (kommt vorwärts).
Zum Henker, nein! Was denkt die Exzellenz?
Bin ich ein Pfeil, ein Vogel, ein Gedanke,
Daß er mich durch das ganze Schlachtfeld sprengt?
Ich war beim Vortrab, auf den Hackelhöhn,
Und in dem Hackelgrund, beim Hintertrab:
Doch wen ich nicht gefunden, war der Marschall!
Drauf meine Reuter sucht ich wieder auf.

Golz.
Das wird sehr leid ihm tun. Es schien, er hatte
Dir von Belang noch etwas zu vertraun.

Der Offizier.
Da kommt des Prinzen, unsers Führers, Durchlaucht!

Zweiter Auftritt

Der Prinz von Homburg, mit einem schwarzen Band um die linke Hand. Die Vorigen.

Obrist Kottwitz.
Sei mir gegrüßt, mein junger edler Prinz!
Schau her, wie, während du im Dörfchen warst,
Die Reuter ich im Talweg aufgestellt:
Ich denk du wirst mit mir zufrieden sein!

Der Prinz von Homburg.
Guten Morgen, Kottwitz!--Guten Morgen, Freunde!
--Du weißt, ich lobe alles, was du tust.

Hohenzollern.
Was machtest, Arthur, in dem Dörfchen du?
--Du scheinst so ernst!

Der Prinz von Homburg. Ich--war in der Kapelle,
Die aus des Dörfchens stillen Büschen blinkte.
Man läutete, da wir vorüberzogen,
Zur Andacht eben ein, da trieb michs an,
Am Altar auch mich betend hinzuwerfen.

Obrist Kottwitz.
Ein frommer junger Herr, das muß ich sagen!
Das Werk, glaubt mir, das mit Gebet beginnt,
Das wird mit Heil und Ruhm und Sieg sich krönen!

Der Prinz von Homburg.
Was ich dir sagen wollte, Heinrich--

(Er führt den Grafen ein wenig vor.)

Was wars schon, was der Dörfling, mich betreffend,
Bei der Parol' hat gestern vorgebracht?

Hohenzollern.
--Du warst zerstreut. Ich hab es wohl gesehn.

Der Prinz von Homburg.
Zerstreut--geteilt; ich weiß nicht, was mir fehlte,
Diktieren in die Feder macht mich irr.--

Hohenzollern.
--Zum Glück nicht diesmal eben viel für dich.
Der Truchß und Hennings, die das Fußvolk führen,
Die sind zum Angriff auf den Feind bestimmt,
Und dir ist aufgegeben, hier zu halten
Im Tal, schlagfertig mit der Reuterei,
Bis man zum Angriff den Befehl dir schickt.

Der Prinz von Homburg (nach einer Pause, in der er vor
sich niedergeträumt).
--Ein wunderlicher Vorfall!

Hohenzollern. Welcher, Lieber?

(Er sieht ihn an.--Ein Kanonenschuß fällt.)

Obrist Kottwitz.
Holla, ihr Herrn, holla! Sitzt auf! sitzt auf!
Das ist der Hennings und die Schlacht beginnt!

(Sie besteigen sämtlich einen Hügel.)

Der Prinz von Homburg.
Wer ist es? Was?

Hohenzollern. Der Obrist Hennings, Arthur,
Der sich in Wrangels Rücken hat geschlichen!
Komm nur, dort kannst du alles überschaun.

Golz (auf dem Hügel).
Seht, wie er furchtbar sich am Rhyn entfaltet!

Der Prinz von Homburg (hält sich die Hand vors Auge).
--Der Hennings dort auf unserm rechten Flügel?

Erster Offizier.
Ja, mein erlauchter Prinz.

Der Prinz von Homburg. Was auch, zum Henker!
Der stand ja gestern auf des Heeres Linken.

(Kanonenschüsse in der Ferne.)

Obrist Kottwitz.
Blitzelement! Seht, aus zwölf Feuerschlünden
Wirkt jetzt der Wrangel auf den Hennings los!

Erster Offizier.
Das nenn ich Schanzen das, die schwedischen!

Zweiter Offizier.
Bei Gott, getürmt bis an die Kirchsturmspitze,
Des Dorfs, das hinter ihrem Rücken liege!

(Schüsse in der Nähe.)

Golz.
Das ist der Truchß!

Der Prinz von Homburg. Der Truchß?

Obrist Kottwitz. Der Truchß, er, ja;
Der Hennings jetzt von vorn zu Hülfe kommt.

Der Prinz von Homburg.
Wie kommt der Truchß heut in die Mitte?

(Heftige Kanonade.)

Golz.
O Himmel, schaut, mich dünkt das Dorf fing Feuer!

Dritter Offizier.
Es brennt, so wahr ich leb!

Erster Offizier. Es brennt! Es brennt!
Die Flamme zuckt schon an dem Turm empor!

Golz.
Hui! Wie die Schwedenboten fliegen rechts und links!

Zweiter Offizier.
Sie brechen auf!

Obrist Kottwitz. Wo?

Erster Offizier. Auf dem rechten Flügel!--

Dritter Offizier.
Freilich! In Zügen! Mit drei Regimentern!
Es scheint, den linken wollen sie verstärken.

Zweiter Offizier.
Bei meiner Treu! Und Reuterei rückt vor,
Den Marsch des rechten Flügels zu bedecken!

Hohenzollern (lacht).
Ha! Wie das Feld die wieder räumen wird,
Wenn sie versteckt uns hier im Tal erblickt!

(Musketenfeuer.)

Kottwitz.
Schaut! Brüder, schaut!

Zweiter Offizier. Horcht!

Erster Offizier. Feuer der Musketen!

Dritter Offizier.
Jetzt sind sie bei den Schanzen aneinander!--

Golz.
Bei Gott! Solch einen Donner des Geschützes
Hab ich zeit meines Lebens nicht gehört!

Hohenzollern.
Schießt! Schießt! Und macht den Schoß der Erde bersten!
Der Riß soll eurer Leichen Grabmal sein.

(Pause.--Ein Siegsgeschrei in der Ferne.)

Erster Offizier.
Herr, du, dort oben, der den Sieg verleiht:
Der Wrangel kehrt den Rücken schon!

Hohenzollern. Nein, sprich!

Golz.
Beim Himmel, Freunde! Auf dem linken Flügel!
Er räumt mit seinem Feldgeschütz die Schanzen.

Alle.
Triumph! Triumph! Triumph! Der Sieg ist unser!

Der Prinz von Homburg (steigt vom Hügel herab).
Auf, Kottwitz, folg mir!

Obrist Kottwitz. Ruhig, ruhig, Kinder!

Der Prinz von Homburg.
Auf! Laß Fanfare blasen! Folge mir!

Obrist Kottwitz.
Ich sage, ruhig.

Der Prinz von Homburg (wild).
Himmel, Erd und Hölle!

Obrist Kottwitz.
Des Herrn Durchlaucht, bei der Parole gestern,
Befahl, daß wir auf Order warten sollen.
Golz, lies dem Herren die Parole vor.

Der Prinz von Homburg.
Auf Ord'r! Ei, Kottwitz! Reitest du so langsam?
Hast du sie noch vom Herzen nicht empfangen?

Obrist Kottwitz.
Order?

Hohenzollern.
Ich bitte dich!

Obrist Kottwitz. Von meinem Herzen?

Hohenzollern.
Laß dir bedeuten, Arthur!

Golz. Hör' mein Obrist!

Obrist Kottwitz (beleidigt).
Oho! Kömmst du mir so, mein junger Herr?--
Den Gaul, den du dahersprengst, schlepp ich noch
Im Notfall an dem Schwanz des meinen fort!
Marsch, marsch, ihr Herrn! Trompeter, die Fanfare!
Zum Kampf! Zum Kampf! Der Kottwitz ist dabei!

Golz (zu Kottwitz).
Nein nimmermehr, mein Obrist! Nimmermehr!

Zweiter Offizier.
Der Hennings hat den Rhyn noch nicht erreicht!

Erster Offizier.
Nimm ihm den Degen ab!

Der Prinz von Homburg. Den Degen mir?
(Er stößt ihn zurück.)
Ei, du vorwitzger Knabe, der du noch
Nicht die Zehn märkischen Gebote kennst!
Hier ist der deinige, zusamt der Scheide!
(Er reißt ihm das Schwert samt dem Gürtel ab.)

Erster Offizier (taumelnd).
Mein Prinz, die Tat, bei Gott--!

Der Prinz von Homburg (auf ihn einschreitend).
Den Mund noch öffnest--?

Hohenzollern (zu dem Offizier).
Schweig! Bist du rasend?

Der Prinz von Homburg (indem er den Degen abgibt).
Ordonnanzen!--
Führt ihn gefangen ab, ins Hauptquartier.

(Zu Kottwitz und den übrigen Offizieren.)

Und jetzt ist die Parol', ihr Herrn: ein Schurke,
Wer seinem General zur Schlacht nicht folgt!
--Wer von euch bleibt?

Obrist Kottwitz. Du hörst. Was eiferst du?

Hohenzollern (beilegend).
Es war ein Rat nur, den man dir erteilt.

Obrist Kottwitz.
Auf deine Kappe nimms. Ich folge dir.

Der Prinz von Homburg (beruhigt).
Ich nehms auf meine Kappe. Folgt mir, Brüder!

(Alle ab.)

Dritter Auftritt

Szene: Zimmer in einem Dorf.

Ein Hofkavalier, in Stiefeln und Sporen, tritt auf. Ein Bauer und seine Frau sitzen an einem Tisch und arbeiten.

Hofkavalier.
Glück auf, ihr wackern Leute! Habt ihr Platz,
In eurem Hause Gäste aufzunehmen?

Der Bauer.
O ja! Von Herzen.

Die Frau. Darf man wissen, wen?

Hofkavalier.
Die hohe Landesmutter! Keinen Schlechtern!
Am Dorftor brach die Achse ihres Wagens,
Und weil wir hören, daß der Sieg erfochten,
So braucht es weiter diese Reise nicht.

Beide (stehen auf).
Der Sieg erfochten?--Himmel!

Hofkavalier. Das wißt ihr nicht?
Das Heer der Schweden ist aufs Haupt geschlagen,
Wenn nicht für immer, doch auf Jahresfrist,
Die Mark vor ihrem Schwert und Feuer sicher!
--Doch seht! da kömmt die Landesfürstin schon.

Vierter Auftritt

Die Kurfürstin, bleich und verstört. Prinzessin Natalie und mehrere Hofdamen folgen.--Die Vorigen.

Kurfürstin (unter der Tür).
Bork! Winterfeld! Kommt: gebt mir euren Arm!

Natalie (zu ihr eilend).
O meine Mutter!

Die Hofdamen. Gott! Sie bleicht! Sie fällt!

(Sie unterstützen sie.)

Kurfürstin.

Führt mich auf einen Stuhl, ich will mich setzen.
--Tot, sagt er; tot?

Natalie. O meine teure Mutter!

Kurfürstin.
Ich will den Unglücksboten selber sprechen.

Fünfter Auftritt

Rittmeister von Mörner tritt verwundet auf, von zwei Reutern geführt.--Die Vorigen.

Kurfürstin.
Was bringst du, Herold des Entsetzens, mir?

Mörner.
Was diese Augen, leider, teure Frau,
Zu meinem ewgen Jammer, selbst gesehn.

Kurfürstin.
Wohlan! Erzähl!

Mörner. Der Kurfürst ist nicht mehr!

Natalie. O Himmel!
Soll ein so ungeheurer Schlag uns treffen?

(Sie bedeckt sich das Gesicht.)

Kurfürstin.
Erstatte mir Bericht, wie er gesunken!
--Und wie der Blitzstrahl, der den Wandrer trifft,
Die Welt noch einmal purpurn ihm erleuchtet,
So laß dein Wort sein; Nacht, wenn du gesprochen,
Mög über meinem Haupt zusammenschlagen.

Mörner (tritt, geführt von den beiden Reutern, vor ihr).
Der Prinz von Homburg war, sobald der Feind,
Gedrängt von Truchß, in seiner Stellung wankte,
Auf Wrangel in die Ebne vorgerückt;
Zwei Linien hatt er, mit der Reuterei,
Durchbrochen schon, und auf der Flucht vernichtet,
Als er auf eine Feldredoute stieß.
Hier schlug so mörderischer Eisenregen
Entgegen ihm, daß seine Reuterschar,
Wie eine Saat, sich knickend niederlegte:
Halt mußt er machen zwischen Busch und Hügeln,
Um sein zerstreutes Reuterkorps zu sammeln.

Natalie (zur Kurfürstin).
Geliebte! Fasse dich!

Kurfürstin. Laß, laß mich, Liebe!

Mörner.
In diesem Augenblick, dem Staub entrückt,
Bemerken wir den Herrn, der, bei den Fahnen
Des Truchßschen Korps, dem Feind entgegenreitet;
Auf einem Schimmel herrlich saß er da,
Im Sonnenstrahl, die Bahn des Siegs erleuchtend.
Wir alle sammeln uns, bei diesem Anblick,
Auf eines Hügels Abhang, schwer besorgt,
Inmitten ihn des Feuers zu erblicken:
Als plötzlich jetzt der Kurfürst, Roß und Reuter,
In Staub vor unsern Augen niedersinkt;
Zwei Fahnenträger fielen über ihn,
Und deckten ihn mit ihren Fahnen zu.

Natalie.
O meine Mutter!

Erste Hofdame. Himmel!

Kurfürstin. Weiter! Weiter!

Mörner.
Drauf faßt, bei diesem schreckenvollen Anblick,
Schmerz, unermeßlicher, des Prinzen Herz;
Dem Bären gleich, von Wut gespornt und Rache,
Bricht er mit uns auf die Verschanzung los:
Der Graben wird, der Erdwall, der sie deckt,
Im Anlauf überflogen, die Besatzung
Geworfen, auf das Feld zerstreut, vernichtet,
Kanonen, Fahnen, Pauken und Standarten,
Der Schweden ganzes Kriegsgepäck, erbeutet:
Und hätte nicht der Brückenkopf am Rhyn
Im Würgen uns gehemmt, so wäre keiner,
Der an dem Herd der Väter, sagen könnte:
Bei Fehrbellin sah ich den Helden fallen!

Kurfürstin.
Ein Sieg, zu teu'r erkauft! Ich mag ihn nicht.
Gebt mir den Preis, den er gekostet, wieder.

(Sie sinkt in Ohnmacht.)

Erste Hofdame.
Hilf, Gott im Himmel! Ihre Sinne schwinden.

(Natalie weint.)

Sechster Auftritt

Der Prinz von Homburg tritt auf.
Die Vorigen.

Der Prinz von Homburg.
O meine teuerste Natalie!

(Er legt ihre Hand gerührt an sein Herz.)

Natalie.
So ist es wahr?

Der Prinz von Homburg.
O! könnt ich sagen: nein!
Könnt ich mit Blut, aus diesem treuen Herzen,
Das seinige zurück ins Dasein rufen!

Natalie (trocknet sich die Tränen).
Hat man denn schon die Leiche aufgefunden?

Der Prinz von Homburg.
Ach, mein Geschäft, bis diesen Augenblick,
War Rache nur an Wrangel; wie vermocht ich,
Solch einer Sorge mich bis jetzt zu weihn?
Doch eine Schar von Männern sandt ich aus,
Ihn, im Gefild des Todes, aufzusuchen:
Vor Nacht noch zweifelsohne trifft er ein.

Natalie.
Wer wird, in diesem schauderhaften Kampf,
Jetzt diese Schweden niederhalten? Wer
Vor dieser Welt von Feinden uns beschirmen,
Die uns sein Glück, die uns sein Ruhm erworben?

Der Prinz von Homburg (nimmt ihre Hand).
Ich, Fräulein, übernehme eure Sache!
Ein Engel will ich, mit dem Flammenschwert,
An eures Throns verwaiste Stufen stehn!
Der Kurfürst wollte, eh das Jahr noch wechselt,
Befreit die Marken sehn; wohlan! ich will der
Vollstrecker solchen letzten Willens sein!

Natalie.
Mein lieber, teurer Vetter!

(Sie zieht ihre Hand zurück.)

Der Prinz von Homburg. O Natalie!
(Er hält einen Augenblick inne.)
Wie denkt Ihr über Eure Zukunft jetzt?

Natalie.
Ja, was soll ich, nach diesem Wetterschlag,
Der unter mir den Grund zerreißt, beginnen?
Mir ruht der Vater, mir die teure Mutter,
Im Grab zu Amsterdam; in Schutt und Asche
Liegt Dortrecht, meines Hauses Erbe, da;
Gedrängt von Spaniens Tyrannenheeren,
Weiß Moritz kaum, mein Vetter von Oranien,
Wo er die eignen Kinder retten soll:
Und jetzt sinkt mir die letzte Stütze nieder,
Die meines Glückes Rebe aufrecht hielt.
Ich ward zum zweitenmale heut verwaist.

Der Prinz von Homburg (schlägt einen Arm um ihren Leib).
O meine Freundin! Wäre diese Stunde
Der Trauer nicht geweiht, so wollt ich sagen:
Schlingt Eure Zweige hier um diese Brust,
Um sie, die schon seit Jahren, einsam blühend,
Nach eurer Glocken holden Duft sich sehnt!

Natalie.
Mein lieber, guter Vetter!

Der Prinz von Homburg.--Wollt Ihr? Wollt Ihr?

Natalie.
--Wenn ich ins innre Mark ihr wachsen darf?

(Sie legt sich an seine Brust.)

Der Prinz von Homburg.
Wie? Was war das?

Natalie. Hinweg!

Der Prinz von Homburg (hält sie). In ihren Kern!
In ihres Herzens Kern, Natalie!

(Er küßt sie; sie reißt sich los.)

O Gott, wär er jetzt da, den wir beweinen,
Um diesen Bund zu schauen! Könnten wir
Zu ihm aufstammeln: Vater, segne uns!

(Er bedeckt sein Gesicht mit seinen Händen; Natalie wendet
sich wieder zur Kurfürstin zurück.)

Siebenter Auftritt

Ein Wachtmeister tritt eilig auf.
Die Vorigen.

Wachtmeister.
Mein Prinz, kaum wag ich, beim lebendgen Gott,
Welch ein Gerücht sich ausstreut, Euch zu melden!
--Der Kurfürst lebt!

Der Prinz von Homburg. Er lebt!

Wachtmeister. Beim hohen Himmel!
Graf Sparren bringt die Nachricht eben her.

Natalie.
Herr meines Lebens! Mutter; hörtest dus?

(Sie stürzt vor der Kurfürstin nieder und umfaßt ihren Leib.)

Der Prinz von Homburg.
Nein, sag--! Wer bringt mir--?

Wachtmeister. Graf Georg von Sparren,
Der ihn in Hackelwitz beim Truchßschen Korps,
Mit eignem Aug, gesund und wohl, gesehn!

Der Prinz von Homburg.
Geschwind! Lauf, Alter! Bring ihn mir herein!

(Wachtmeister ab.)

Achter Auftritt

Graf Georg von Sparren und der Wachtmeister treten auf.
Die Vorigen.

Kurfürstin.
O stürzt mich zweimal nicht zum Abgrund nieder!

Natalie.
Nein, meine teure Mutter!

Kurfürstin. Friedrich lebt?

Natalie (hält sie mit beiden Händen aufrecht).
Des Daseins Gipfel nimmt Euch wieder auf!

Wachtmeister (auftretend).
Hier ist der Offizier!

Der Prinz von Homburg. Herr Graf von Sparren!
Des Herrn Durchlaucht habt Ihr frisch und wohlauf,
Beim Truchßschen Korps, in Hackelwitz, gesehn?

Graf Sparren.
Ja, mein erlauchter Prinz, im Hof des Pfarrers,
Wo er Befehle gab, vom Stab umringt,
Die Toten beider Heere zu begraben!

Die Hofdamen.
O Gott! An deine Brust--(Sie umarmen sich.)

Kurfürstin. O meine Tochter!

Natalie.
Nein, diese Seligkeit ist fast zu groß!

(Sie drückt ihr Gesicht in der Tante Schoß.)

Der Prinz von Homburg.
Sah ich von fern, an meiner Reuter Spitze,
Ihn nicht, zerschmettert von Kanonenkugeln,
In Staub, samt seinem Schimmel, niederstürzen?

Graf Sparren.
Der Schimmel, allerdings, stürzt', samt dem Reuter,
Doch wer ihn ritt, mein Prinz, war nicht der Herr.

Der Prinz von Homburg.
Nicht? Nicht der Herr?

Natalie. O Jubel!

(Sie steht auf und stellt sich an die Seite der Kurfürstin.)

Der Prinz von Homburg. Sprich! Erzähle!
Dein Wort fällt schwer wie Gold in meine Brust!

Graf Sparren.
O laßt die rührendste Begebenheit,
Die je ein Ohr vernommen, Euch berichten!
Der Landesherr, der, jeder Warnung taub,
Den Schimmel wieder ritt, den strahlendweißen,
Den Froben jüngst in England ihm erstand,
War wieder, wie bis heut noch stets geschah,
Das Ziel der feindlichen Kanonenkugeln.
Kaum konnte, wer zu seinem Troß gehörte,
Auf einen Kreis von hundert Schritt ihm nahn;
Granaten wälzten, Kugeln und Kartätschen,
Sich wie ein breiter Todesstrom daher,
Und alles, was da lebte, wich ans Ufer:
Nur er, der kühne Schwimmer, wankte nicht,
Und, stets den Freunden winkend, rudert' er
Getrost den Höhn zu, wo die Quelle sprang.

Der Prinz von Homburg.
Beim Himmel, ja! Ein Grausen wars, zu sehn.

Graf Sparren.
Stallmeister Froben, der, beim Troß der Suite,
Zunächst ihm folgt, ruft dieses Wort mir zu:
"Verwünscht sei heut mir dieses Schimmels Glanz,
Mit schwerem Gold in London jüngst erkauft!
Wollt ich doch funfzig Stück Dukaten geben,
Könnt ich ihn mit dem Grau der Mäuse decken."
Er naht, voll heißer Sorge, ihm und spricht:
"Hoheit, dein Pferd ist scheu, du mußt verstatten,
Daß ichs noch einmal in die Schule nehme!"
Mit diesem Wort entsitzt er seinem Fuchs,
Und fällt dem Tier des Herren in den Zaum.
Der Herr steigt ab, still lächelnd, und versetzt:
"Die Kunst, die du ihn, Alter, lehren willst,
Wird er, solang es Tag ist, schwerlich lernen.
Nimm, bitt ich, fern ihn, hinter jenen Hügeln,
Wo seines Fehls der Feind nicht achtet, vor."
Dem Fuchs drauf sitzt er auf, den Froben reitet,
Und kehrt zurück, wohin sein Amt ihn ruft.
Doch Froben hat den Schimmel kaum bestiegen,
So reißt, entsendet aus der Feldredoute,
Ihn schon ein Mordblei, Roß und Reuter, nieder.
In Staub sinkt er, ein Opfer seiner Treue,
Und keinen Laut vernahm man mehr von ihm.

(Kurze Pause.)

Der Prinz von Homburg.
Er ist bezahlt!--Wenn ich zehn Leben hätte,
Könnt ich sie besser brauchen nicht, als so!

Natalie.
Der wackre Froben!

Kurfürstin. Der Vortreffliche!

Natalie.
Ein Schlechtrer wäre noch der Tränen wert!

(Sie weinen.)

Der Prinz von Homburg.
Genug! Zur Sache jetzt. Wo ist der Kurfürst?
Nahm er in Hackelwitz sein Hauptquartier?

Graf Sparren.
Vergib! der Herr ist nach Berlin gegangen,
Und die gesamte Generalität
Ist aufgefordert, ihm dahin zu folgen.

Der Prinz von Homburg.
Wie? Nach Berlin?--Ist denn der Feldzug aus?

Graf Sparren.
Fürwahr, ich staune, daß dir alles fremd!
Graf Horn, der schwedsche General, traf ein;
Es ist im Lager, gleich nach seiner Ankunft,
Ein Waffenstillstand ausgerufen worden.
Wenn ich den Marschall Dörfling recht verstanden,
Ward eine Unterhandlung angeknüpft:
Leicht, daß der Frieden selbst erfolgen kann.

Kurfürstin.
O Gott, wie herrlich klärt sich alles auf!

(Sie steht auf.)

Der Prinz von Homburg.
Kommt, laßt sogleich uns nach Berlin ihm folgen!
--Räumst du, zu rascherer Beförderung, wohl
Mir einen Platz in deinem Wagen ein?
--Zwei Zeilen nur an Kottwitz schreib ich noch,
Und steige augenblicklich mit dir ein.

(Er setzt sich nieder und schreibt.)

Kurfürstin.
Von ganzem Herzen gern!

Der Prinz von Homburg (legt den Brief zusammen und übergibt
ihn dem Wachtmeister; indem er sich wieder zur Kurfürstin
wendet, und den Arm sanft um Nataliens Leib legt).
Ich habe so
Dir einen Wunsch noch schüchtern zu vertraun,
Des ich mich auf der Reis entlasten will.

Natalie (macht sich von ihm los).
Bork! Rasch! Mein Halstuch, bitt ich!

Kurfürstin. Du? Einen Wunsch mir?

Erste Hofdame.
Ihr tragt das Tuch, Prinzessin, um den Hals!

Der Prinz von Homburg (zur Kurfürstin).
Was? Rätst du nichts?

Kurfürstin. Nein, nichts!

Der Prinz von Homburg. Was? Keine Silbe?

Kurfürstin (abbrechend).
Gleichviel!--Heut keinem Flehenden auf Erden
Antwort ich: nein! was es auch immer sei;
Und dir, du Sieger in der Schlacht, zuletzt!
--Hinweg!

Der Prinz von Homburg.
O Mutter! Welch ein Wort sprachst du?
Darf ichs mir deuten, wie es mir gefällt?

Kurfürstin.
Hinweg, sag ich! Im Wagen mehr davon!

Der Prinz von Homburg.
Kommt, gebt mir Euren Arm!--O Cäsar Divus!
Die Leiter setz ich an, an deinen Stern!

(Er führt die Damen ab; alle folgen.)

Neunter Auftritt

Szene: Berlin. Lustgarten vor dem alten Schloß. Im Hintergrunde die Schloßkirche, mit einer Treppe. Glockenklang; die Kirche ist stark erleuchtet; man sieht die Leiche Frobens vorübertragen, und auf einen prächtigen Katafalk niedersetzen.

Der Kurfürst, Feldmarschall Dörfling, Obrist Hennings, Graf
Truchß, und mehrere andere Obristen und Offiziere treten auf.
Ihm gegenüber zeigen sich einige Offiziere mit Depeschen.--
In der Kirche sowohl als auf dem Platz Volk jeden Alters und
Geschlechts.

Der Kurfürst.
Wer immer auch die Reuterei geführt,
Am Tag der Schlacht, und, eh der Obrist Hennings
Des Feindes Brücken hat zerstören können,
Damit ist aufgebrochen, eigenmächtig,
Zur Flucht, bevor ich Order gab, ihn zwingend,
Der ist des Todes schuldig, das erklär ich,
Und vor ein Kriegsgericht bestell ich ihn.
--Der Prinz von Homburg hat sie nicht geführt?

Graf Truchß.
Nein, mein erlauchter Herr!

Der Kurfürst. Wer sagt mir das?

Graf Truchß.
Das können Reuter dir bekräftigen,
Die mirs versichert, vor Beginn der Schlacht.
Der Prinz hat mit dem Pferd sich überschlagen,
Man hat verwundet schwer, an Haupt und Schenkeln,
In einer Kirche ihn verbinden sehn.

Der Kurfürst.
Gleichviel. Der Sieg ist glänzend dieses Tages,
Und vor dem Altar morgen dank ich Gott.
Doch wär er zehnmal größer, das entschuldigt
Den nicht, durch den der Zufall mir ihn schenkt:
Mehr Schlachten noch, als die, hab ich zu kämpfen,
Und will, daß dem Gesetz Gehorsam sei.
Wers immer war, der sie zur Schlacht geführt,
Ich wiederhols, hat seinen Kopf verwirkt,
Und vor ein Kriegsrecht hiemit lad ich ihn.
--Folgt, meine Freunde, in die Kirche mir!

Zehnter Auftritt

Der Prinz von Homburg, drei schwedische Fahnen in der Hand,
Obrist Kottwitz, mit deren zwei, Graf Hohenzollern, Rittmeister
Golz, Graf Reuß, jeder mit einer Fahne, mehrere andere
Offiziere, Korporale und Reuter, mit Fahnen, Pauken und
Standarten, treten auf.

Feldmarschall Dörfling (so wie er den Prinzen erblickt).
Der Prinz von Homburg!--Truchß! Was machtet Ihr?

Der Kurfürst (stutzt).
Wo kommt Ihr her, Prinz?

Der Prinz von Homburg (einige Schritte vorschreitend).
Von Fehrbellin, mein Kurfürst,
Und bringe diese Siegstrophäen dir.

(Er legt die drei Fahnen vor ihm nieder; die Offiziere,
Korporale und Reuter folgen, jeder mit der ihrigen.)

Der Kurfürst (betroffen).
Du bist verwundet, hör ich, und gefährlich?
--Graf Truchß!

Der Prinz von Homburg (heiter).
Vergib!

Graf Truchß. Beim Himmel, ich erstaune!

Der Prinz von Homburg.
Mein Goldfuchs fiel, vor Anbeginn der Schlacht;
Die Hand hier, die ein Feldarzt mir verband,
Verdient nicht, daß du sie verwundet taufst.

Der Kurfürst.
Mithin hast du die Reuterei geführt?

Der Prinz von Homburg (sieht ihn an).
Ich? Allerdings! Mußt du von mir dies hören?
--Hier legt ich den Beweis zu Füßen dir.

Der Kurfürst.
--Nehmt ihm den Degen ab. Er ist gefangen.

Feldmarschall (erschrocken).
Wem?

Der Kurfürst (tritt unter die Fahnen).
Kottwitz! Sei gegrüßt mir!

Graf Truchß (für sich). O verflucht!

Obrist Kottwitz.
Bei Gott, ich bin aufs äußerste--!

Der Kurfürst (er sieht ihn an). Was sagst du?
Schau, welche Saat für unsern Ruhm gemäht!
--Die Fahn ist von der schwedischen Leibwacht! Nicht?
(Er nimmt eine Fahne auf, entwickelt und betrachtet sie.)

Obrist Kottwitz.
Mein Kurfürst?

Feldmarschall. Mein Gebieter?

Der Kurfürst. Allerdings!
Und zwar aus König Gustav Adolfs Zeiten!
--Wie heißt die Inschrift?

Obrist Kottwitz. Ich glaube--

Feldmarschall.--Per aspera ad astra.

Der Kurfürst.
Das hat sie nicht bei Fehrbellin gehalten.

(Pause.)

Obrist Kottwitz (schüchtern).
Mein Fürst, vergönn ein Wort mir--!

Der Kurfürst. Was beliebt?--
Nehmt alles, Fahnen, Pauken und Standarten,
Und hängt sie an der Kirche Pfeiler auf;
Beim Siegsfest morgen denk ich sie zu brauchen!

(Der Kurfürst wendet sich zu den Kurieren, nimmt ihnen die
Depeschen ab, erbricht, und liest sie.)

Obrist Kottwitz (für sich).
Das, beim lebendigen Gott, ist mir zu stark!

(Der Obrist nimmt, nach einigem Zaudern, seine zwei Fahnen auf;
die übrigen Offiziere und Reuter folgen; zuletzt, da die drei
Fahnen des Prinzen liegen bleiben, hebt Kottwitz auch diese
auf, so daß er nun fünf trägt.)

Ein Offizier (tritt vor den Prinzen).
Prinz, Euren Degen, bitt ich.

Hohenzollern (mit seiner Fahne, ihm zur Seite tretend).
Ruhig, Freund!

Der Prinz von Homburg.
Träum ich? Wach ich? Leb ich? Bin ich bei Sinnen?

Golz.
Prinz, gib den Degen, rat ich, hin, und schweig!

Der Prinz von Homburg.
Ich, ein Gefangener?

Hohenzollern. So ists!

Golz. Ihr hörts!

Der Prinz von Homburg.
Darf man die Ursach wissen?

Hohenzollern (mit Nachdruck). Jetzo nicht!
--Du hast zu zeitig, wie wir gleich gesagt,
Dich in die Schlacht gedrängt; die Order war,
Nicht von dem Platz zu weichen, ungerufen!

Der Prinz von Homburg.
Helft Freunde, helft! Ich bin verrückt.

Golz (unterbrechend). Still! Still!

Der Prinz von Homburg.
Sind denn die Märkischen geschlagen worden?

Hohenzollern (stampft mit dem Fuß auf die Erde).
Gleichviel!--Der Satzung soll Gehorsam sein.

Der Prinz von Homburg (mit Bitterkeit).
So--so, so, so!

Hohenzollern (entfernt sich von ihm).
Es wird den Hals nicht kosten.

Golz (ebenso).
Vielleicht, daß du schon morgen wieder los.

(Der Kurfürst legt die Briefe zusammen, und kehrt sich wieder
in den Kreis der Offiziere zurück.)

Der Prinz von Homburg (nachdem er sich den Degen abgeschnallt).
Mein Vetter Friedrich will den Brutus spielen,
Und sieht, mit Kreid auf Leinewand verzeichnet,
Sich schon auf dem kurulschen Stuhle sitzen:
Die schwedschen Fahnen in dem Vordergrund,
Und auf dem Tisch die märkschen Kriegsartikel.
Bei Gott, in mir nicht findet er den Sohn,
Der, unterm Beil des Henkers, ihn bewundre.
Ein deutsches Herz, von altem Schrot und Korn,
Bin ich gewohnt an Edelmut und Liebe,
Und wenn er mir, in diesem Augenblick,
Wie die Antike starr entgegenkommt,
Tut er mir leid, und ich muß ihn bedauren!

(Er gibt den Degen an den Offizier und geht ab.)

Der Kurfürst.
Bringt ihn nach Fehrbellin, ins Hauptquartier,
Und dort bestellt das Kriegsrecht, das ihn richte.

(Ab in die Kirche. Die Fahnen folgen ihm, und werden, während
er mit seinem Gefolge an dem Sarge Frobens niederkniet und
betet, an den Pfeilern derselben aufgehängt.
Trauermusik.)


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