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Homer: Ilias

Inhalt

Erster Gesang

Zweiter Gesang

Dritter Gesang

Vierter Gesang

Fünfter Gesang

Sechster Gesang

Siebenter Gesang

Achter Gesang

Neunter Gesang

Zehnter Gesang

Elfter Gesang

Zwölfter Gesang

Dreizehnter Gesang

Vierzehnter Gesang

Fünfzehnter Gesang

Sechzehnter Gesang

Siebzehnter Gesang

Achtzehnter Gesang

Neunzehnter Gesang

Zwanzigster Gesang

Einundzwanzigster Gesang

Zweiundzwanzigster Gesang

Dreiundzwanzigster Gesang

Vierundzwanzigster Gesang

Achter Gesang

Den versammelten Göttern verbietet Zeus, weder Achaiern noch Troern beizustehn, und fährt zum Ida. Schlacht. Zeus wägt den Achaiern Verderben, und schreckt sie mit dem Donner. Here bittet den Poseidon umsonst, den Achaiern zu helfen. Die Achaier in die Verschanzung gedrängt. Agamemnon und ein Zeichen ermuntert sie zum neuen Angriff. Teukros streckt viele mit dem Bogen, und wird von Hektor verwundet. Die Achaier von neuem in die Verschanzung getrieben. Here und Athene fahren vom Olympos den Achaiern zu Hilfe. Zeus befiehlt ihnen durch Iris umzukehren. Er selbst zum Olympos gekehrt droht den Achaiern noch größere Niederlage. Hektor mit den siegenden Troern übernachtet vor dem Lager.

Eos im Safrangewand' erleuchtete rings nun die Erde,
Als der Donnerer Zeus die Unsterblichen rief zur Versammlung
Auf den obersten Gipfel des vielgezackten Olympos.
Selbst nun begann er den Rat; und die Himmlischen horchten ihm alle.
5
Hört mein Wort, ihr Götter umher, und ihr Göttinnen alle,
Daß ich rede, wie mir das Herz im Busen gebietet.
Keine der Göttinnen nun erhebe sich, keiner der Götter,
Trachtend, wie dies mein Wort er vereitele; sondern zugleich ihr
Stimmt ihm bei, daß ich eilig Vollendung schaffe dem Werke!
10
Wen ich jetzt von den Göttern gesondertes Sinnes erkenne,
Daß er geht, und Troer begünstiget, oder Achaier;
Schmählich geschlagen fürwahr kehrt solcher mir heim zum Olympos!
Oder ich fass' und schwing' ihn hinab in des Tartaros Dunkel,
Ferne, wo tief sich öffnet der Abgrund unter der Erde:
15
Den die eiserne Pforte verschleußt und die eherne Schwelle,
So weit unter dem Aïs, wie über der Erd' ist der Himmel!
Dann vernimmt er, wie weit ich der Mächtigste sei vor den Göttern!
Auf wohlan, ihr Götter, versucht's, daß ihr all' es erkennet,
Eine goldene Kette befestigend oben am Himmel;
20
Hängt dann all' ihr Götter euch an, und ihr Göttinnen alle:
Dennoch zögt ihr nie vom Himmel herab auf den Boden
Zeus den Ordner der Welt, wie sehr ihr rängt in der Arbeit!
Aber sobald auch mir im Ernst es gefiele zu ziehen;
Selbst mit der Erd' euch zög' ich empor, und selbst mit dem Meere;
25
Und die Kette darauf um das Felsenhaupt des Olympos
Bänd' ich fest, daß schwebend das Weltall hing' in der Höhe!
So weit rag' ich vor Göttern an Macht, so weit vor den Menschen!
Jener sprach's; doch alle verstummten umher, und schwiegen,
Hoch das Wort anstaunend; denn kraftvoll hatt' er geredet.
30
Endlich erwiderte Zeus' blauäugige Tochter Athene:
Unser Vater Kronion, o du, der Gebietenden höchster,
Wohl ja erkennen auch wir, wie an Macht unbezwinglich du waltest.
Aber es jammern uns der Danaer streitbare Völker,
Welche das böse Geschick nunmehr vollendend verschwinden.
35
Dennoch entziehn wir hinfort dem Gefecht uns, wenn du gebietest;
Rat nur wollen wir geben den Danaern, welcher gedeihe,
Daß nicht all' hinschwinden vor deinem gewaltigen Zorne.
Lächelnd erwiderte drauf der Herrscher im Donnergewölk Zeus:
Fasse dich, Tritogeneia, mein Töchterchen! Nicht mit des Herzens
40
Meinung sprach ich das Wort; ich will dir freundlich gesinnt sein!
Jener sprach's und schirrt' in das Joch erzhufige Rosse,
Stürmendes Flugs, umwallt von goldener Mähne die Schultern;
Selbst dann hüllt' er in Gold sich den Leib, und faßte die Geißel,
Schön aus Golde gewirkt, und trat in den Sessel des Wagens.
45
Treibend schwang er die Geißel, und rasch hinflogen die Rosse,
Zwischen der Erd' einher und dem sternumleuchteten Himmel.
Schnell den Ida erreicht' er, den quelligen Nährer des Wildes,
Gargaros, wo ihm pranget ein Hain und duftender Altar.
Dort nun hielt der Vater des Menschengeschlechts und der Götter,
50
Löste die Rosse vom Wagen, und breitete dichtes Gewölk aus.
Selber setzt' er nunmehr auf die Höhe sich, freudiges Trotzes,
Und umschaute der Troer Stadt, und die Schiffe Achaias.
Jene nun nahmen das Mahl, die hauptumlockten Achaier,
Rasch in den Zelten umher, und hüllten sodann ihr Geschmeid' um.
55
So auch dort die Troer in Ilios faßten die Waffen,
Weniger zwar, doch entbrannt zum blutigen Kampf der Entscheidung,
Durch hartdringende Not; denn es galt für Weiber und Kinder.
Ringsum standen geöffnet die Tor', und es stürzte das Kriegsheer,
Streiter zu Fuß und zu Wagen, hinaus mit lautem Getümmel.
60
Als sie nunmehr anstrebend auf einem Raum sich begegnet;
Trafen zugleich Stierhäut', und Speere zugleich, und die Kräfte
Rüstiger Männer in Erz; und die hochgenabelten Schilde
Naheten dichtgedrängt; und umher stieg lautes Getös' auf.
Jetzo erscholl Wehklagen und Siegsgeschrei miteinander,
65
Würgender dort und Erwürgter; und Blut umströmte die Erde.
Weil noch Morgen es war, und der heilige Tag emporstieg;
Hafteten jegliches Heeres Geschoss', und es sanken die Völker.
Aber nachdem die Sonne den Mittagshimmel erstiegen;
Jetzo streckte der Vater empor die goldene Waage,
70
Legt' in die Schalen hinein zwei finstere Todeslose,
Trojas reisigem Volk und den erzumschirmten Achaiern,
Faßte die Mitt', und wog: da lastete schnell der Achaier
Schicksalstag, daß die Schale zur nahrungsprossenden Erde
Niedersank, und der Troer zum weiten Himmel emporstieg.
75
Laut vom Ida herab nun donnert' er, und sein entbrannter
Strahl durchzuckte das Heer der Danaer; jen' ihn erblickend
Starreten auf, und alle durchschauerte bleiches Entsetzen.
Nicht Idomeneus selber verweilt itzt, nicht Agamemnon,
Nicht die Ajas wagten zu stehn, die Genossen des Ares.
80
Nestor allein noch stand, der gerenische Hort der Achaier,
Ungern, weil ihm verletzt war ein Roß: das traf mit dem Pfeile
Alexandros der Held, der lockigen Helena Gatte,
Grad' in die Scheitel des Haupts, wo zuerst die Mähne der Rosse
Vorn dem Schädel entwächst, und am tödlichsten ist die Verwundung.
85
Angstvoll bäumt' es empor, weil tief der Pfeil ins Gehirn drang,
Und verwirrte die Ross', um das Erz in der Wunde sich wälzend.
Während der Greis die Stränge dem Nebenroß mit dem Schwerte
Abzuhaun sich erhub; kam Hektors schnelles Gespann ihm
Durch die Verfolgung daher, mit dem unerschrockenen Lenker,
90
Hektor! Dort nun hätte der Greis sein Leben verloren,
Wenn nicht schnell ihn bemerkt der Rufer im Streit Diomedes.
Furchtbar jetzt ausrufend, ermahnt' er so den Odysseus:
Edler Laertiad', erfindungsreicher Odysseus,
Wohin fliehst du, den Rücken gewandt, wie ein Feiger im Schwarme?
95
Daß nur keiner den Speer dir Fliehenden heft' in die Schulter!
Bleib doch, und hilf vom Greise den schrecklichen Mann mir entfernen!
Jener sprach's; nicht hörte der herrliche Dulder Odysseus,
Sondern er stürmte vorbei zu den räumigen Schiffen Achaias.
Doch der Tydeid', auch selber allein, drang kühn in den Vorkampf,
100
Stellte sich nun vor die Rosse des neleiadischen Greises,
Und er begann zu jenem, und sprach die geflügelten Worte:
Wahrlich, o Greis, sehr hart umdrängen dich jüngere Männer!
Deine Kraft ist gelöst, und mühsames Alter beschwert dich;
Auch ist schwach dein Wagengefährt, und ermüdet die Rosse.
105
Auf denn, zu meinem Geschirr erhebe dich, daß du erkennest,
Wie doch troische Rosse gewandt sind, durch die Gefilde
Dort zu sprengen und dort, in Verfolgungen und in Entfliehung:
Die ich jüngst von Äneias errang, dem Schreckengebieter.
Jene laß den Gefährten zur Obhut; wir mit den Meinen
110
Wollen den reisigen Troern entgegen gehn, daß auch Hektor
Lern', ob mir selber vielleicht auch wüte der Speer in den Händen!
Sprach's; und ihm folgete gern der gerenische reisige Nestor.
Jetzt die nestorischen Rosse besorgeten beide Gefährten,
Sthenelos, tapferes Muts, und Eurymedon, glühend vor Ehrsucht.
115
Jene dann traten zugleich in das rasche Geschirr Diomedes'.
Nestor faßt' in die Hände die purpurschimmernden Zügel,
Schwang dann die Geißel zum Lauf; und bald erreichten sie Hektor.
Ihm, wie er grad' andrang, entsandte den Speer Diomedes;
Und er verfehlt' ihn zwar; doch dem wagenlenkenden Diener,
120
Jenem Eniopeus, dem Sohn des erhabnen Thebäos,
Als er hielt das Gezäum, durchschoß er die Brust an der Warze;
Und er entsank dem Geschirr, und zurück ihm zuckten die Rosse,
Fliegendes Laufs; ihm aber erlosch der Geist und die Stärke.
Hektors Seele durchdrang der bittere Schmerz um den Lenker;
125
Dennoch ließ er ihn dort, wie sehr er traurte des Freundes,
Liegen; und forscht', ob irgend ein mutiger Lenker erschiene;
Und nicht lang' ihm entbehrten die Rosse der Hut, denn er fand nun
Iphitos' mutigen Sohn Archeptolemos: eilend ihn hieß er
Steigen ins rasche Geschirr, und reicht' in die Hand ihm die Zügel.
130
Jetzt wär' entschieden der Kampf und unheilbare Taten vollendet,
Und sie zusammengescheucht in Ilios, gleich wie die Lämmer;
Schauete nicht der Vater des Menschengeschlechts und der Götter.
Furchtbar erscholl sein Donner daher, und der leuchtende Strahl schlug
Schmetternd hinab in den Grund vor dem raschen Gespann Diomedes:
135
Schrecklich lodert' empor die schweflichte Flamme des Himmels;
Und wild bebten in Angst die Rosse zurück vor dem Wagen.
Nestors Hand entsanken die purpurschimmernden Zügel,
Und er erschrak im Herzen, und sprach zum Held Diomedes:
Tydeus' Sohn, auf! wende zur Flucht die stampfenden Rosse!
140
Oder erkennest du nicht, daß Zeus nicht Sieg dir gewähret?
Jetzo zwar wird jener von Zeus Kronion verherrlicht,
Heut'; doch künftig werden wir selbst auch, wenn's ihm gelüstet,
Wieder geehrt! Darf keiner doch Zeus' Ratschlüsse verhindern,
Nicht der Gewaltigste Selbst; denn er ist mächtig vor allen!
145
Ihm antwortete drauf der Rufer im Streit Diomedes:
Wahrlich, o Greis, du hast wohlziemende Worte geredet;
Aber ein heftiger Schmerz durchdringt mir die Tiefe des Herzens!
Hektor sagt nun hinfort in des troischen Volkes Versammlung:
Tydeus' Sohn ist vor mir hinabgeflohn zu den Schiffen!
150
Also trotzt er hinfort; dann reiße sich weit mir die Erd' auf!
Ihm antwortete drauf der gerenische reisige Nestor:
Wehe mir, Tydeus' Sohn, des Feurigen, welcherlei Rede!
Denn wofern dich Hektor auch feig' einst nennet und kraftlos,
Niemals glauben ihm doch die Troer und Dardanionen,
155
Oder die Fraun der Troer, der schildgewappneten Streiter,
Welchen umher in den Staub die blühenden Männer du strecktest.
Jener sprach's, und wandte zur Flucht die stampfenden Rosse
Durch die Verfolgung zurück; nach stürmeten Troer und Hektor
Mit graunvollem Geschrei, und schütteten herbe Geschosse.
160
Aber es rief lauttönend der helmumflatterte Hektor:
Tydeus' Sohn, dich ehrten die reisigen Helden Achaias
Hoch an Sitz, und an Fleisch, und vollgegossenen Bechern.
Künftig verachten sie dich; wie ein Weib erscheinest du jetzo!
Fort, du zagendes Mädchen! denn nie, mich selber vertreibend,
165
Steigst du die Mauren hinan von Ilios, oder entführest
Uns die Weiber im Schiff; zuvor dir send' ich den Dämon!
Jener sprach's; da erwog mit wankendem Sinn Diomedes,
Ob er die Ross' umlenkt', und kühn entgegen ihm kämpfte.
Dreimal sann er umher in des Herzens Geist und Empfindung;
170
Dreimal erscholl vom Ida das Donnergetön des Kronion,
Trojas Volk ankündend der Schlacht abwechselnden Siegsruhm.
Hektor anjetzt ermahnte mit lautem Rufe die Troer:
Troer, und Lykier ihr, und Dardaner, Kämpfer der Nähe,
Seid nun Männer, o Freund', und gedenkt des stürmenden Mutes!
175
Denn ich erkenne, wir mir voll Huld zuwinkte Kronion
Sieg und erhabenen Ruhm, doch Schmach den Achaiern und Unheil.
Törichte, welche nunmehr zum Schutz sich erfanden die Mauer,
Schwach und verachtungswert, die nichts vor meiner Gewalt ist!
Denn mir springen die Rosse mit Leichtigkeit über den Graben!
180
Aber sobald ich dort den gebogenen Schiffen genahet,
Dann gedenke man wohl für brennendes Feuer zu sorgen;
Daß ich die Schiff' anzünde mit Glut, und sie selber ermorde,
Argos' Söhn' um die Schiffe, betäubt im Dampfe des Brandes!
Jener sprach's; und die Ross' ermahnet' er, laut ausrufend:
185
Xanthos, und du Podargos, und mutiger Lampos, und Äthon,
Jetzt die reichliche Pflege vergeltet mir, welche mit Sorgfalt
Euch Andromache gab, des hohen Eëtions Tochter;
Da sie zuerst vor euch den lieblichen Weizen geschüttet,
Auch des Weines gemischt, nach Herzenswunsche zu trinken,
190
Eher denn mir, der doch ihr blühender Gatte sich rühmet!
Auf denn, mit großer Gewalt, und verfolget sie: daß wir erobern
Nestors strahlenden Schild, des Ruhm nun reichet zum Himmel,
Golden sei die Wölbung umher, und die Stangen des Schildes;
Auch herab von der Schulter dem reisigen Held Diomedes
195
Jenen künstlichen Harnisch, den selbst Hephästos geschmiedet!
Würd' uns solches ein Raub, dann hofft' ich wohl, die Achaier
Möchten die Nacht noch steigen in leichthinsegelnde Schiffe!
Also jauchzet' er laut; da zürnt' ihm die Herrscherin Here,
Wandte sich heftig im Thron, und erschütterte weit den Olympos.
200
Drauf zu Poseidaon, dem mächtigen Gotte begann sie:
Wehe mir, Erderschüttrer, Gewaltiger, wenden auch dir nicht
Argos sinkende Scharen das Herz im Busen zu Mitleid?
Bringen sie doch gen Ägä und Helike dir der Geschenke
Viel' und erfreuende stets! O gönne du ihnen den Sieg nun!
205
Denn wenn wir nur wollten, der Danaer sämtliche Helfer,
Trojas Volk wegdrängen, und Zeus dem Donnerer steuern;
Traun bald säß' er daselbst sich einsam härmend auf Ida!
Unmutsvoll nun begann der Erderschüttrer Poseidon:
Welch ein Wort, o Here, Verwegene, hast du geredet!
210
Nimmermehr verlang' ich mit Zeus Kronion zu kämpfen,
Ich und die anderen hier; denn er ist mächtig vor allen!
Also redeten jen' im Wechselgespräch miteinander.
Dort so weit von den Schiffen zum Wall und Graben sich hinstreckt,
Voll war's rings von Rossen und schildgewappneten Männern,
215
Dichtgedrängt; denn es drängte, dem stürmenden Ares vergleichbar,
Hektor, Priamos' Sohn, nachdem Zeus Ruhm ihm gewährte.
Und nun hätt' er verbrannt in lodernder Flamme die Schiffe,
Legete nicht Agamemnon ins Herz die erhabene Here,
Ihm der auch selbst umeilte, die Danaer schnell zu ermuntern.
220
Schleunig ging er hinab der Danaer Schiff' und Gezelte,
Haltend in nervichter Hand den großen purpurnen Mantel,
Und er betrat des Odysseus' gewaltiges dunkeles Meerschiff,
Welches die Mitt' einnahm daß beiderseits sie vernähmen,
Dort zu Ajas Gezelten hinab, des Telamoniden,
225
Dort zu des Peleionen, die beid' an den Enden ihr Schiffheer
Aufgestellt, hochtrotzend auf Mut und Stärke der Hände.
Laut erscholl sein durchdringender Ruf in das Heer der Achaier:
Schande doch, Argos Volk, ihr Verworfenen, trefflich an Bildung!
Wo ist jetzo der Ruhm, da wir uns Tapfere priesen;
230
Was ihr vordem in Lemnos mit nichtiger Rede geprahlet,
Schmausend das viele Fleisch der hochgehörneten Rinder,
Und ausleerend die Krüge, zum Rand mit Weine gefüllet?
Gegen hundert der Troer, ja selbst zweihundert, vermaß sich
Jeder im Kampfe zu stehn! Nicht einem auch gelten wir jetzo,
235
Hektor, der bald die Schiffe verbrennt in loderndem Feuer!
Hast du, o Vater Zeus, je einen gewaltigen König
So beladen mit Fluch, und des herrlichen Ruhms ihn beraubet?
Weißt du doch, wie ich nie vor deinem prangenden Altar
Im vielrudrigen Schiff hinsteuerte, als ich hieherkam;
240
Nein auf allen verbrannt' ich der Stiere Fett und die Schenkel,
Wünschend hinwegzutilgen die festummauerte Troja.
Aber, o Zeus, gewähre mir doch nur dieses Verlangen:
Laß uns wenigstens selber errettet sein und entfliehen,
Und nicht so hinsinken vor Trojas Macht die Achaier!
245
Jener sprach's; da jammerte Zeus des weinenden Königs;
Und er winkt' ihm Errettung der Danaer, nicht ihr Verderben.
Schnell den Adler entsandt' er, die edelste Vorbedeutung;
Dieser trug in den Klauen ein Kind der flüchtigen Hindin,
Und vor Zeus' Altar, den prangenden, warf er das Hirschkalb,
250
Wo dem enthüllenden Zeus die Danaer pflegten zu opfern.
Jene, sobald sie gesehn, wie von Zeus herschwebte der Vogel,
Drangen gestärkt in der Troer Gewühl, und entbrannten vor Streitlust.
Keiner rühmte sich nun, so viel auch Danaer waren,
Daß vor Tydeus' Sohn er gelenkt die hurtigen Rosse,
255
Vorgesprengt ans dem Graben, und kühn entgegen gekämpfet;
Sondern zuerst den Troern ermordet' er einen der Kämpfer,
Fradmons' Sohn Agelaos: zur Flucht dort wandt' er die Rosse;
Doch dem Gewendeten stieß der Tydeide den Speer in den Rücken,
Zwischen der Schulterbucht, daß vorn aus dem Busen er vordrang;
260
Und er entsank dem Geschirr, und es rasselten um ihn die Waffen.
Hinter ihm Atreus' Söhn', Agamemnon und Menelaos;
Drauf die Ajas zugleich, mit trotzigem Mute gerüstet;
Dann Idomeneus selbst, und Idomeneus' Kriegesgenoß auch,
Held Meriones, gleich dem männermordenden Ares;
265
Auch Eurypylos dann, der glänzende Sohn des Euämon;
Teukros auch kam der neunte, gespannt den schnellenden Bogen,
Hinter des Ajas' Schilde gestellt, des Telamoniden:
Oft daß Ajas den Schild ihm hinweghob; aber der Held dort
Schaut' umher, und sobald sein Todesgeschoß im Getümmel
270
Traf, dann taumelte jener dahin, sein Leben verhauchend;
Doch er eilte zurück, wie ein Kind an die Mutter sich schmieget,
Nah an Ajas gedrängt, der mit strahlendem Schild' ihn bedeckte.
Wen nun traf von den Troern zuerst der untadliche Teukros?
Erst den Orsilochos traf er, und Ormenos, auch Ophelestes,
275
Dätor und Chromios auch, und den göttlichen Held Lykophontes,
Auch Polyämons Sohn Hamopaon, auch Melanippos:
All' aneinander gestürzt zur nahrungsprossenden Erde.
Ihn nun sah mit Freude der Völkerfürst Agamemnon,
Wie er mit starkem Geschoß die troischen Reihen vertilgte;
280
Nahe trat er hinan, und sprach zu jenem die Worte:
Teukros, edelster Freund, Telamonier, Völkergebieter,
Triff so fort, und werde der Danaer Licht, und des Vaters
Telamon auch, der in Liebe dich nährete, als du ein Kind warst,
Und, der Dienerin Sohn, dich pflegt in seinem Palaste:
285
Ihn, den Entferneten nun, erhebe zu glänzendem Ruhme!
Denn ich verkündige dir, und das wird wahrlich vollendet.
Wenn mir solches gewährt der Donnerer Zeus und Athene,
Ilios auszutilgen, die Stadt voll prangender Häuser;
Werd' ich zuerst nach mir die geehrteste Gabe dir reichen:
290
Ob es ein Dreifuß sei, ob ein rasches Gespann mit dem Wagen,
Oder ein blühendes Weib, das dir dein Lager besteige.
Jener sprach's; ihm erwiderte schnell der untadliche Teukros:
Atreus' Sohn, Ruhmvoller, warum, da ich selber ja strebe,
Treibst du mich an? Nichts wahrlich, so viel die Kraft mir gewähret,
295
Zauder' ich; sondern seitdem gen Ilios jene wir drängen,
Hab' ich feindliche Männer mit zielendem Bogen getötet.
Acht schon hab' ich versandt der langgespitzten Geschosse,
Und sie hafteten all' in streitbarer Jünglinge Leibern.
Jenen nur nicht vermag ich, den wütenden Hund zu erreichen!
300
Sprach's, und sandt' ein andres Geschoß von der Senne des Bogens,
Grad' auf Hektor dahin, mit herzlichem Wunsch ihn zu treffen.
Und er verfehlt' ihn zwar; doch den edlen Gorgythion traf er,
Priamos' tapferen Sohn, ihm die Brust mit dem Pfeile durchbohrend:
Welchen ein Nebenweib, aus Äsyme gewählt, ihm geboren,
305
Kastianeira die Schön', an Gestalt den Göttinnen ähnlich.
So wie der Mohn zur Seite das Haupt neigt, welcher im Garten
Steht, von Wuchs belastet, und Regenschauer des Frühlings:
Also neigt' er zur Seite das Haupt, vom Helme beschweret.
Teukros sandt' ein andres Geschoß von der Senne des Bogens
310
Grad' auf Hektor dahin, mit herzlichem Wunsch ihn zu treffen.
Aber auch jetzt verfehlt' er; denn seitwärts wandt' es Apollon.
Archeptolemos nur, dem mutigen Lenker des Hektor,
Als er sprengt' in die Schlacht, durchschoß er die Brust an der Warze;
Und er entsank dem Geschirr, und zurück ihm zuckten die Rosse,
315
Fliegendes Laufs; ihm aber erlosch der Geist und die Stärke.
Hektors Seele durchdrang der bittere Schmerz um den Lenker;
Dennoch ließ er ihn dort, wie sehr er traurte des Freundes.
Schnell nun hieß er den Bruder Kebriones, der ihm genaht war,
Nehmen der Rosse Gezäum; und nicht unwillig gehorcht' er.
320
Aber er selbst entschwang sich dem glänzenden Sessel des Wagens,
Mit graunvollem Geschrei, und faßt' in der Rechte den Feldstein,
Drang dann grad' auf Teukros, in heißer Begier ihn zu treffen.
Jener hatt' aus dem Köcher ein herbes Geschoß sich gewählet,
Und auf die Senne gefügt; da traf der gewaltige Hektor,
325
Als er die Senn' anzog, ihn am Schlüsselbein auf die Achsel,
Zwischen Hals und Brust, wo am tödlichsten ist die Verwundung:
Dort den Strebenden traf er mit zackigem Stein des Gefildes,
Und zerriß ihm die Senn'; es erstarrte die Hand an dem Knöchel,
Und er entsank hinknieend, es glitt aus der Hand ihm der Bogen.
330
Doch nicht Ajas vergaß des hingesunkenen Bruders,
Sondern umging ihn in Eile, mit großem Schild ihn bedeckend.
Schnell dann bückten sich her zween auserwählte Genossen,
Echios' Sohn Mekisteus zugleich, und der edle Alastor,
Die zu den räumigen Schiffen den Schweraufstöhnenden trugen.
335
Wieder erhob die Troer mit Mut der olympische König.
Grade zurück an den Graben verdrängten sie nun die Achaier;
Hektor drang mit den ersten voran, wutfunkelndes Blickes.
So wie ein Hund den Eber des Bergwalds, oder den Löwen,
Kühn mit dem Rachen erhascht, den hurtigen Füßen vertrauend,
340
Hinten an Hüft' und Lend', und stets des Gewendeten achtet:
Also verfolgt' itzt Hektor die hauptumlockten Achaier,
Immerdar hinstreckend den äußersten; und sie entflohen.
Aber nachdem sie die Pfähle hindurch und den Graben geeilet
Fliehend und manchen gestürzt die mordenden Hände der Troer;
345
Jetzo hemmeten jene sich dort bei den Schiffen beharrend,
Und ermahnten einander; und rings mit erhobenen Händen
Betete laut ein jeder zu allen unsterblichen Göttern.
Hektor tummelt' umher das Gespann schönmähniger Rosse,
Graß wir Gorgo an Blick, und der männermordende Ares.
350
Jene nun sah erbarmend die lilienarmige Here,
Wandte sich schnell zur Athen', und sprach die geflügelten Worte:
Weh mir, o Tochter Zeus' des Donnerers, wollen wir noch nicht
Retten das sterbende Volk der Danaer, auch nur zuletzt noch?
Welche das böse Geschick nunmehr vollendend verschwinden,
355
Unter des einen Gewalt! Da wütet er ganz unerträglich,
Hektor, Priamos' Sohn, und viel schon tat er des Frevels!
Drauf antwortete Zeus' blauäugige Tochter Athene:
Wohl schon hätte mir dieser den Mut und die Seele verloren,
Unter der Hand der Argeier vertilgt im heimischen Lande;
360
Aber es tobt mein Vater mit übelwollendem Herzen,
Grausam, und stets unbillig, und jeden Entschluß mir vereitelnd.
Nicht gedenkt er mir dessen, wie oft vordem ich den Sohn ihm
Rettete, wann er gequält von Eurystheus Kämpfen sich härmte.
Auf zum Himmel weinte der Duldende; aber es sandt' ihm
365
Mich zur Helferin schnell von des Himmels Höhe Kronion.
Hätt' ich doch solches gewußt im forschenden Rate des Herzens,
Als er hinab in Aïs verriegelte Burg ihn gesendet,
Daß er dem Dunkel entführte den Hund des greulichen Gottes!
Niemals wär er entronnen dem stygischen Strom des Entsetzens!
370
Nun bin ich ihm verhaßt; doch den Rat der Thetis vollführt er,
Welche die Knie' ihm geherzt, und die Hand zum Kinn ihm erhoben,
Flehend, daß Ruhm er gewähre dem Städteverwüster Achilleus.
Aber er nennt mich einmal blauäugiges Töchterchen wieder!
Auf, und schirr' uns sofort das Gespann starkhufiger Rosse;
375
Weil ich selbst, in den Saal des ägiserschütternden Vaters
Gehend, zum Kampf anlege die Rüstungen: daß ich erkenne,
Ob uns Priamos' Sohn, der helmumflatterte Hektor,
Freuen sich wird, wenn ich plötzlich erschein' in den Pfaden des Treffens.
Traun wohl mancher der Troer wird sättigen Hund' und Gevögel
380
Seines Fettes und Fleisches, gestreckt bei den Schiffen Achaias!
Sprach's; und willig gehorcht' ihr die lilienarmige Here.
Jene nun eilt' anschirrend die goldgezügelten Rosse,
Here, die heilige Göttin, erzeugt vom gewaltigen Kronos.
Aber Pallas Athene, des Ägiserschütterers Tochter,
385
Ließ hinsinken das feine Gewand im Palaste des Vaters,
Buntgewirkt, das sie selber mit künstlicher Hand sich bereitet.
Drauf in den Panzer gehüllt des schwarzumwölkten Kronions,
Nahm sie das Waffengeschmeide zur tränenbringenden Feldschlacht.
Jetzt in den flammenden Wagen erhub sie sich; nahm dann die Lanze,
390
Schwer und groß und gediegen, womit sie die Scharen der Helden
Bändiget, welchen sie zürnt, die Tochter des schrecklichen Vaters.
Here beflügelte nun mit geschwungener Geißel die Rosse;
Und aufkrachte von selbst des Himmels Tor, das die Horen
Hüteten, welchen der Himmel vertraut ward, und der Olympos,
395
Daß sie die hüllende Wolk' itzt öffneten, jetzo verschlossen.
Dort nun lenkten sie durch die leichtgesporneten Rosse.
Aber da Zeus vom Ida sie schauete, heftig ergrimmt' er;
Drauf als Botin entsandt' er die goldgeflügelte Iris:
Eile mir, hurtige Iris, und wende sie, ehe daher sie
400
Kommen; denn unsanft möchten im Kampf wir einander begegnen!
Denn ich verkündige dir, und das wird wahrlich vollendet.
Lähmen werd' ich jenen die hurtigen Ross' an dem Wagen,
Stürzen sie selbst vom Sessel herab, und den Wagen zerschmettern!
Nicht auch einmal in zehn umrollender Jahre Vollendung
405
Würden die Wunden geheilt, womit mein Strahl sie gezeichnet:
Daß mir erkenn' Athene den schrecklichen Kampf mit dem Vater!
Minder erregt mir Here des Unmuts, oder des Zornes;
Stets ja war sie gewohnt, daß sie einbrach, was ich beschlossen!
Jener sprach's; doch Iris, die windschnell eilende Botin,
410
Flog von Idas Gebirg' einher zum großen Olympos.
Jetzt am vordersten Tore des vielgebognen Olympos
Hielt sie die Kommenden an, und sprach die Worte Kronions:
Sagt mir, wohin so eifrig? was wütet das Herz euch im Busen?
Nicht verstattet euch Zeus, der Danaer Volke zu helfen.
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Denn so droht' euch jetzo der Donnerer, wo er's vollendet:
Lähmen werd' er euch beiden die hurtigen Ross' an dem Wagen,
Stürzen euch selbst vorn Sessel herab, und den Wagen zerschmettern.
Nicht auch einmal in zehn umrollender Jahre Vollendung
Würden die Wunden geheilt, womit sein Strahl euch gezeichnet:
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Daß du erkennst, Athene, den schrecklichen Kampf mit dem Vater.
Minder erregt ihm Here des Unmuts, oder des Zornes;
Stets ja war sie gewohnt, daß sie einbrach, was er beschlossen.
Aber Entsetzliche du, Schamloseste, wenn du in Wahrheit
Wagst, zum Kampfe mit Zeus den gewaltigen Speer zu erheben!
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Also sprach, und entfloh die leichthinschwebende Iris.
Aber Here begann, und sprach zu Pallas Athene:
Weh mir, o Tochter Zeus' des Donnerers! länger fürwahr nicht
Duld' ich es, daß wir Zeus um sterbliche Menschen bekämpfen!
Mag ein anderer sinken in Staub, und ein anderer leben,
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Welchen es trifft! Doch jener, nach eigenem Rate beschließend,
Richte den Streit der Troer und Danaer, wie es ihm ansteht!
Sprach's, und lenkte zurück das Gespann starkhufiger Rosse.
Dort nun lösten die Horen die schöngemähneten Rosse;
Diese banden sie fest zu ambrosischen Krippen geführet,
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Stellten darauf den Wagen empor an schimmernde Wände.
Jene selbst dann setzten auf goldene Sessel sich nieder,
Unter die anderen Götter, ihr Herz voll großer Betrübnis.
Aber Zeus vom Ida im schöngeräderten Wagen
Trieb zum Olympos die Ross', und kam zu der Götterversammlung.
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Dort nun löst' ihm die Rosse der Erderschüttrer Poseidon,
Hub aufs Gestell den Wagen empor, und umhüllt' ihn mit Leinwand.
Er, dem goldenen Throne genaht, der Ordner der Welt Zeus
Setzte sich; unter dem Gang' erbebten die Höhn des Olympos.
Jene, getrennt von Zeus und allein, Athenäa und Here,
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Saßen, und wageten nichts zu verkündigen, oder zu fragen.
Aber er selbst vernahm es in seinem Geist, und begann so:
Warum seid ihr also betrübt, Athenäa und Here?
Doch nicht lange bemüht' euch die männerehrende Feldschlacht,
Trojas Volk zu verderben, das heftigen Groll euch erregt hat!
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Alle, so weit ich rag' an Gewalt und unnahbaren Händen,
Möchten mich nicht abwehren, die Götter gesamt im Olympos!
Doch euch bebten ja eher vor Angst die reizenden Glieder,
Eh' ihr den Krieg noch gesehn, und die schrecklichen Taten des Krieges.
Denn ich verkündige nun, und wahrlich wär' es vollendet!
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Nimmer in eurem Geschirre, vom Schlag der Donner verwundet,
Wärt ihr gekehrt zum Olympos, dem Sitz der unsterblichen Götter!
Jener sprach's; da murrten geheim Athenäa und Here.
Nahe sich saßen sie dort, nur Unheil sinnend den Troern.
Jene nunmehr blieb schweigend, und redete nichts, Athenäa,
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Eifernd dem Vater Zeus, und ihr tobte das Herz in Erbittrung.
Here nur konnte den Zorn nicht bändigen, sondern begann so:
Welch ein Wort, Kronion, du Schrecklicher, hast du geredet!
Wohl ja erkennen auch wir, wie an Macht unbezwinglich du waltest.
Aber es jammern uns der Danaer streitbare Völker,
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Welche das böse Geschick nunmehr vollendend verschwinden.
Dennoch entziehn wir hinfort dem Gefecht uns, wenn du gebietest;
Rat nur wollen wir geben den Danaern, welcher gedeihe,
Daß nicht all' hinschwinden vor deinem gewaltigen Zorne.
Ihr antwortete drauf der Herrscher im Donnergewölk Zeus:
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Morgen gewiß noch mehr, du hoheitblickende Here,
Wirst du schaun, so du willst, den überstarken Kronion
Tilgen ein großes Heer von Achaias Lanzengeübten.
Denn nicht ruhn soll eher vom Streit der gewaltige Hektor,
Eh' sich erhebt bei den Schiffen der mutige Renner Achilleus,
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Jenes Tags, wann dort sie zusammengedrängt um die Steuer
Kämpfen in schrecklicher Eng', um den hingesunknen Patroklos.
Also sprach das Verhängnis! Doch dein der Zürnenden acht' ich
Nichts, und ob du im Zorn an die äußersten Enden entflöhest
Alles Lands und des Meers, wo Japetos drunten und Kronos
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Sitzen, von Helios nie, dem leuchtenden Sohn Hyperions,
Noch von Winden erfreut; denn tief ist der Tartaros ringsum!
Nicht ob auch dort hinschweifend du wandertest, nicht auch ein wenig
Acht' ich der Tobenden doch; weil nichts schamloser denn du ist!
Sprach's; ihm erwiderte nichts die lilienarmige Here.
485
Doch zum Okeanos sank des Helios' leuchtende Fackel,
Ziehend die dunkele Nacht auf die nahrungsprossende Erde.
Ungern sahn die Troer das tauchende Licht; doch erfreulich
Kam und herzlich erwünscht die finstere Nacht den Achaiern.
Jetzo berief die Troer zum Rat der strahlende Hektor,
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Abgewandt von den Schiffen zum wirbelnden Strome sie führend,
Wo noch rein das Gefild' aus umliegenden Leichen hervorschien.
Alle, den Wagen entstiegen zur Erd' hin, hörten die Rede,
Welche nun Hektor begann, der Göttliche: und in der Rechten
Trug er den Speer, elf Ellen an Läng'; und vorn an dem Schafte
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Blinkte die eherne Schärf', umlegt mit goldenem Ringe;
Hierauf lehnte sich jener, und sprach die geflügelten Worte:
Hört mein Wort, ihr Troer, ihr Dardaner, und ihr Genossen.
Jetzo hofft' ich, verderbend die Schiff' und alle Achaier,
Siegreich heimzukehren zu Ilios luftigen Höhen;
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Doch uns ereilte die Nacht, die jetzt am meisten gerettet
Argos Volk und die Schiff' am wogenden Strande des Meeres.
Aber wohlan, jetzt wollen der finsteren Nacht wir gehorchen,
Und das Mahl uns bereiten. Die schöngemähneten Rosse
Löst aus dem Joch der Geschirr', und reicht vorschüttend das Futter.
505
Doch aus der Stadt führt Rinder zum Schmaus' und gemästete Schafe
Eilend daher; auch Wein, den herzerfreuenden, bringt uns
Reichlich, und Brot aus den Häusern, und Holz auch leset in Menge:
Daß wir die ganze Nacht bis zum dämmernden Schimmer der Eos
Feuer brennen durchs Heer, und der Glanz den Himmel erreiche;
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Daß nicht gar im Finstern die hauptumlockten Achaier
Uns zu entfliehn versuchen auf weitem Rücken des Meeres,
Wenigstens nicht in Muße die Schiff' und ruhig besteigen;
Nein daß mancher von jenen daheim die Wunde des Pfeiles
Oder des scharfen Speers sich lindere, welche den Flüchtling,
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Springend ins Schiff, noch ereilte; damit auch andre sich scheuen,
Gegen die reisigen Troer das Weh des Krieges zu tragen.
Aber ruft durch die Stadt, ihr Herolde, Freunde Kronions,
Daß die blühenden Knaben und silberhaarigen Greise
Rings um die Stadt sich lagern, auf gottgebaueten Türmen.
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Aber die zarten Fraun, umher in den Wohnungen jede,
Brennen ein mächtiges Feuer; und wachsame Hut sei beständig:
Daß nicht schlau einbreche der Feind, da die Krieger entfernt sind.
Also sei's, wie ich red', ihr edelmütigen Troer;
Und gesagt ist das Wort, das jetzt ich heilsam geachtet.
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Morgen werd' ich das andre den reisigen Troern verkünden.
Flehend wünsch' ich, und hoffe zu Zeus und den anderen Göttern,
Endlich hinwegzutreiben die wütenden Hunde des Schicksals,
Welche das Schicksal gebracht auf dunkelen Schiffen des Meeres.
Auf, und laßt uns die Nacht das Heer sorgfältig bewachen;
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Aber früh am Morgen, mit ehernen Waffen gerüstet,
Gegen die räumigen Schiff' erheben wir stürmenden Angriff.
Dann will ich sehn, ob Tydeus' gewaltiger Sohn Diomedes
Mich von den Schiffen zur Mauer hinwegdrängt, oder ich selbst ihn
Töte mit meinem Erz, und blutige Waffen erbeute.
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Morgen zeig' uns der Held die Tapferkeit, ob er vor meiner
Nahenden Lanze besteht. Doch unter den vordersten, mein ich,
Sinkt er dem Stoße der Hand, und viel umher der Genossen,
Wann uns Helios morgen emporstrahlt. O so gewiß nur
Möcht' ich unsterblich sein, und blühn in ewiger Jugend,
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Ehrenvoll, wie geehrt wird Athene selbst und Apollon:
Als der kommende Tag ein Unheil bringt den Argeiern!
Also redete Hektor; und laut herriefen die Troer.
Sie nun lösten die Rosse, die schäumenden unter dem Joche,
Banden sie dann mit Riemen, am eigenen Wagen ein jeder.
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Schnell nun führte man Rinder zum Schmaus' und gemästete Schafe
Her aus der Stadt; auch Wein, den herzerfreuenden, trug man
Reichlich, und Brot aus den Häusern, und Holz auch las man in Menge.
Und man brachte den Göttern vollkommene Festhekatomben;
Und dem Gefild' entwallte der Opferduft in den Himmel,
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Süßes Geruchs: doch verschmäheten ihn die seligen Götter,
Abgeneigt; denn verhaßt war die heilige Ilios jenen,
Priamos selbst, und das Volk des lanzenkundigen Königs.
Sie dort, mutig und stolz, in des Kriegs Abteilung gelagert,
Saßen die ganze Nacht; und es loderten häufige Feuer.
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Wie wenn hoch am Himmel die Stern' um den leuchtenden Mond her
Scheinen in herrlichem Glanz, wann windlos ruhet der Äther;
Hell sind rings die Warten der Berg', und die zackigen Gipfel,
Täler auch; aber am Himmel eröffnet sich endlos der Äther;
Alle nun schaut man die Stern', und herzlich freut sich der Hirte.
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So viel, zwischen des Xanthos Gestad' und den Schiffen Achaias,
Loderten, weit erscheinend vor Ilios, Feuer der Troer.
Tausend Feuer im Feld' entflammten sie; aber an jedem
Saßen fünfzig der Männer, im Glanz des lodernden Feuers.
Doch die Rosse, mit Spelt und gelblicher Gerste genähret,
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Standen bei ihrem Geschirr, die goldene Früh' erwartend.


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