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www.digbib.org / Johanna Spyri / Heimatlos Am Silser- und am Gardasee

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Johanna Spyri: Heimatlos Am Silser- und am Gardasee

Inhalt

Ein stilles Haus im Engadin

Die Schule

Die Geige des alten Schullehrers

[Abs. 1] [Abs. 2] [Abs. 3]

Der ferne, schöne See ohne Namen

Ein trauriges Haus, aber der See hat einen Namen

Ricos Mutter

Ein wunderbares Vermächtnis und ein kostbares Vaterunser

Am Silsersee

Ein rätselhaftes Ereignis

Ein wenig Licht

Denn was er tut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End.

Eine lange Reise

[Abs. 1] [Abs. 2]

Die Weiterreise

Am fernen schönen See

Neue Freundschaft, und die alte nicht vergessen

Silvios großer Wunsch

Der Rat des Herrn Pfarrer

Zurück ins Engadin

Zwei frohe Reisende

Wolken am schönen Gardasee

In der Heimat

[Abs. 1] [Abs. 2]

Sonnenschein am Gardasee

Ein wenig Licht

Aber Stineli wurde stilier und magerer von Tag zu Tag. Die kleinen Kinder schrien: »Stineli will nichts erzählen und lacht nicht mehr.« Die Mutter sagte zum Vater: »Siehst du's denn nicht? Sie ist ja nicht mehr die gleiche.«

Und der Vater sagte: »Es kommt vom Wachsen, man muß ihr morgens ein wenig Geißmilch geben.«

Als drei Wochen vergangen waren, nahm die Großmutter eines Abends Stineli in ihre Kammer hinauf und sagte: »Sieh, Stineli, ich kann es wohl begreifen, daß du Rico nicht vergessen kannst, aber du mußt doch denken, daß der liebe Gott ihn weggenommen hat, und wenn es so sein mußte, so war es gut für Rico, das werden wir später noch einsehen.«

Da fing Stineli so zu weinen an, wie es die Großmutter nie an ihr erlebt hatte, und sie schluchzte überlaut: »Der liebe Gott hat es ja nicht getan, ich bin ja schuld, Großmutter. Darum muß ich fast sterben vor Angst; denn ich habe Rico angestiftet, an den See hinabzugehen, und nun ist er in die Schluchten hineingefallen und ist tot, und es hat ihm so weh getan, und ich bin an allem schuld.« Und Stineli weinte und schluchzte zum Erbarmen.

Der Großmutter fiel eine schwere Last vom Herzen; sie hatte Rico verloren gegeben, und heimlich hatte sie der quälende Gedanke verfolgt, das arme Büblein sei der bösen Base entlaufen und liege vielleicht drüben im Wasser, oder sei im Wald zugrundegegangen. Jetzt stieg auf einmal eine neue Hoffnung in ihr auf.

Sie beruhigte Stineli soweit, daß diese ihr die Geschichte von dem See erzählen konnte, von der sie nichts wußte: wie Rico immer von dem See gesprochen und es ihn dahin gezogen hatte, und wie Stineli den Weg auffand. Sie war ganz sicher, daß Rico dahin gewandert wäre; aber des Vaters Worte von den Fels-spalten hatten Stineli um alle Hoffnung gebracht.

Die Großmutter nahm das Kind bei der Hand und zog es zu sich heran. »Komm, Stineli«, sagte sie liebreich, »ich muß dir nun etwas erklären. Weißt du, wie's in dem alten Liede heißt, das wir noch mit Rico gesungen haben am letzten Abend«


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