DigBib.Org: Die freie digitale Bibliothek
www.digbib.org / William Shakespeare / Macbeth

Anzeigeoptionen: WebBuch (kapitelweise), vollständiger Text: [HTML], [PDF], [TXT]

William Shakespeare: Macbeth

Inhalt

[Abs. 1] [PERSONEN]

ERSTER AKT

[ERSTE SZENE] [ZWEITE SZENE] [DRITTE SZENE] [VIERTE SZENE] [FÜNFTE SZENE] [SECHSTE SZENE] [SIEBENTE SZENE]

ZWEITER AKT

[ERSTE SZENE] [ZWEITE SZENE] [DRITTE SZENE] [VIERTE SZENE]

DRITTER AKT

[ERSTE SZENE] [ZWEITE SZENE] [DRITTE SZENE] [VIERTE SZENE] [FÜNFTE SZENE] [SECHSTE SZENE]

VIERTER AKT

[ERSTE SZENE] [ZWEITE SZENE] [DRITTE SZENE]

FÜNFTER AKT

[ERSTE SZENE] [ZWEITE SZENE] [DRITTE SZENE] [VIERTE SZENE] [FÜNFTE SZENE] [SECHSTE SZENE] [SIEBENTE SZENE] [ACHTE SZENE]

ZWEITER AKT

ERSTE SZENE

(Daselbst, Schloßhof)

(Es treten auf Banquo, Fleance, [ein Diener] mit einer Fackel voran.)

BANQUO Wie spät, mein Sohn?

FLEANCE Der Mond ging unter, schlagen hört ichs nicht.

BANQUO Um zwölf Uhr geht er unter.

FLEANCE 's ist wohl später.

BANQUO Da, nimm mein Schwert!--'s ist Sparsamkeit im Himmel, Aus taten sie die Kerzen.--Nimm das auch! Ein schwerer Schlaftrieb liegt wie Blei auf mir, Und doch möcht ich nicht schlafen. Gnädge Mächte! Hemmt in mir böses Denken, dem Natur Im Schlummer Raum gibt.--Gib mein Schwert!

([Macbeth tritt auf und ein Diener mit einer Fackel.])

Wer da?

(Macbeth tritt auf und ein Diener mit einer Fackel.)

MACBETH Ein Freund.

BANQUO Wie, Herr, noch auf? Der König ist zu Bett. Er war ausnehmend froh und sandte noch All Euren Hausbedienten reiche Gaben; Doch Eure Frau soll dieser Demant grüßen Als seine gütge Wirtin. Höchst zufrieden Begab er sich zur Ruh.

MACBETH Unvorbereitet, Ward nur des Mangels Diener unser Wille, Der sonst sich frei enthüllt'.

BANQUO Alles war gut.-- Mir träumte jüngst von den drei Zauberschwestern: Euch haben sie was Wahres doch gesagt.

MACBETH Ich denke nicht an sie; Doch ließe sich gelegne Stunde finden, So sprächen wir wohl einiges in der Sache, Gewährtet Ihr die Zeit.

BANQUO Wie's Euch beliebt.

MACBETH Schließt Ihr Euch meinem Sinn an--wenn es ist, Wirds Ehr Euch bringen.

BANQUO Büß ich sie nicht ein, Indem ich sie zu mehren streb, und bleibt Mein Busen frei und meine Lehnspflicht rein, Gern nehm ich Rat an.

MACBETH Gute Nacht indes!

BANQUO Dank, Herr, Euch ebenfalls!

(Banquo, Fleance [und Diener] ab.)

MACBETH Sag deiner Herrin, wenn mein Trank bereit, Soll sie die Glocke ziehn. Geh du zu Bett!

(Der Diener geht ab.)

Ist das ein Dolch, was ich vor mir erblicke, Der Griff mir zugekehrt? Komm, laß dich packen!-- Ich faß dich nicht, und doch seh ich dich immer. Bist du, Unglücksgebild, so fühlbar nicht Der Hand, gleich wie dem Aug? Oder bist du nur Ein Dolch der Einbildung, ein nichtig Blendwerk, Das aus dem heiß gequälten Hirn erwächst? Ich seh dich noch, so greifbar von Gestalt Wie der, den jetzt ich zücke. Du gehst mir vor den Weg, den ich will schreiten, Und eben solche Waffe wollt ich brauchen. Mein Auge ward der Narr der andern Sinne, Oder mehr als alle wert.--Ich seh dich stets, Und dir an Griff und Klinge Tropfen Bluts, Was erst nicht war.--Es ist nicht wirklich da: Es ist die blutige Arbeit, die mein Auge So in die Lehr nimmt.--Auf der halben Erde Scheint tot Natur jetzt, den verhangnen Schlaf Quälen Versucherträume; Hexenkunst Begeht den Dienst der bleichen Hekate, Und dürrer Mord schreitet gespenstisch nun, Durch seine Schildwacht aufgeschreckt, den Wolf, Der ihm das Wachtwort heult, so diebschen Schrittes, Wie wild entbrannt Tarquin, dem Ziel entgegen. Du sichere und festgefugte Erde, Hör meine Schritte nicht, wo sie auch wandeln, Daß nicht ausschwatzen selber deine Steine Mein Wohinaus, und von der Stunde nehmen Den jetzgen stummen Graus, der so ihr ziemt. Hier droh ich, er lebt dort; Für heiße Tat zu kalt das müßge Wort!

(Die Glocke wird angeschlagen.)

Ich geh, und 's ist getan; die Glocke mahnt. Hör sie nicht, Duncan, 's ist ein Grabgeläut, Das dich zu Himmel oder Höll entbeut.

(Ab. [Er steigt hinauf.)

ZWEITE SZENE

(Daselbst])

(Lady Macbeth tritt unten auf.)

LADY MACBETH Was sie betäubte, hat mich stark gemacht, Und was sie dämpft', hat mich entflammt.--Still, horch!-- Die Eule wars, die schrie, der Unheilsbote, Der gräßlich gute Nacht wünscht.--Er ist dran: Die Türen sind geöffnet, schnarchend spotten Die überladnen Diener ihres Amts; Ich würzte ihren Schlaftrunk, daß Natur Und Tod sich streiten, wem sie angehören.

MACBETH (hinter der Bühne. [der oben erscheint.]) Wer ist da? He!

([Er geht wieder hinein.])

LADY MACBETH O weh, ich fürchte, sie sind aufgewacht Und nichts geschehn. Der Anschlag, nicht die Tat Verdirbt uns--Horch! Ich legt ihm ihre Dolche Bereit, die mußt er finden.--Hätt er nicht Geglichen meinem Vater, wie er schlief, So hätt ichs selbst getan.--Oh, mein Gemahl!

(Macbeth tritt auf.)

MACBETH Ich hab die Tat getan.--Hörtst du nicht was?

LADY MACBETH Die Eule hört ich schrein, und Heimchen zirpen. Sprachst du nichts?

MACBETH Wann?

LADY MACBETH Jetzt.

MACBETH Wie ich 'runter kam?

LADY MACBETH Ja.

MACBETH Horch! Wer schläft im zweiten Zimmer?

LADY MACBETH Donalbain.

MACBETH Erbärmlich sieht das aus!

(Betrachtet seine Hände.)

LADY MACBETH Wie wunderlich, Erbärmlich das zu nennen!

MACBETH Der eine lacht' im Schlaf--und Mord! schrie einer, Daß sie einander weckten; ich stand und hört es: Sie aber sprachen ihr Gebet und legten Zum Schlaf sich wieder.

LADY MACBETH Dort wohnen zwei beisammen.

MACBETH Der schrie: Gott sei uns gnädig!, jener: Amen! Als sähn sie mich mit diesen Henkershänden. Behorchend ihre Angst konnt ich nicht sagen Amen, als jener sprach: Gott sei uns gnädig!

LADY MACBETH Denk nicht so tief darüber!

MACBETH Doch warum Könnt ich nicht Amen sprechen? War mir doch Die Gnad am meisten not, und Amen stockte Mir in der Kehle.

LADY MACBETH Dieser Taten muß Man so nicht denken; so macht es uns toll.

MACBETH Mir war, als rief es: Schlaft nicht mehr, Macbeth Mordet den Schlaf!--Ihn, den unschuldgen Schlaf; Schlaf, der des Grams verworrn Gespinst entwirrt, Den Tod von jedem Lebenstag, das Bad Der wunden Müh, den Balsam kranker Seelen, Den zweiten Gang im Gastmahl der Natur, Das nährendste Gericht beim Fest des Lebens.

LADY MACBETH Was meinst du?

MACBETH Stets rief es: Schlaft nicht mehr! durchs ganze Haus, Glamis erschlug den Schlaf, und drum wird Cawdor Nicht schlafen mehr, Macbeth nicht schlafen mehr!

LADY MACBETH Wer war es, der so rief? Mein würdger Than, Du läßt den edeln Mut erschlaffen, denkst du So hirnkrank drüber nach. Nimm etwas Wasser Und wasch von deiner Hand das garstge Zeugnis.-- Was brachtest du die Dolche mit herunter? Dort liegen müssen sie; geh, bring sie hin Und färb mit Blut die Kämmrer, wie sie schlafen.

MACBETH Ich gehe nicht mehr hin, ich bin entsetzt, Denk ich, was ich getan! Es wieder schaun-- Ich wag es nicht!

LADY MACBETH O schwache Willenskraft! Gib mir die Dolche! Schlafende und Tote Sind Bilder nur; der Kindheit Aug allein Scheut den gemalten Teufel. Wenn er blutet, Färb ich damit den Dienern die Gesichter, Denn ihre Schuld solls scheinen.

(Sie geht ab. Man hört klopfen.)

MACBETH Woher klopft es? Wie ists mit mir, daß jeder Ton mich schreckt? Was sind das hier für Hände? Ha, sie reißen Mir meine Augen aus. Kann wohl des großen Meergotts Ozean Dies Blut von meiner Hand rein waschen? Nein; Weit ehr kann diese meine Hand mit Purpur Die unermeßlichen Gewässer färben Und Grün in Rot verwandeln.

(Lady Macbeth kommt zurück.)

LADY MACBETH Meine Hände Sind blutig wie die deinen; doch ich schäme Mich, daß mein Herz so weiß ist.

(Es wird geklopft.)

Klopfen hör ich Am Südtor.--Eilen wir in unsre Kammer; Ein wenig Wasser spült von uns die Tat; Wie leicht dann ist sie!--Deine Festigkeit Verließ dich ganz und gar.

(Es wird geklopft.)

Horch, wieder Klopfen! Tu an dein Nachtkleid; müssen wir uns zeigen, Daß man nicht sieht, wir wachten!--Verlier dich nicht So ärmlich in Gedanken.

MACBETH Meine Tat Zu wissen! Besser von mir selbst nichts wissen!

(Es wird geklopft.)

Klopf Duncan aus dem Schlaf! O könntest du's!

(Sie gehn ab.)

DRITTE SZENE

(Daselbst)

(Der Pförtner kommt; es wird geklopft.)

PFÖRTNER Das ist ein Klopfen! Wahrhaftig, wenn einer Höllenpförtner wäre, da hätte er was zu schließen.

(Klopfen.)

Poch, poch, poch: Wer da, in Beelzebubs Namen? Ein Pachter, der sich in Erwartung einer reichen Ernte aufhängte. Zur rechten Zeit gekommen; habt ihr auch Schnupftücher genug bei euch? Denn hier werdet ihr dafür schwitzen müssen!--

(Klopfen.)

Poch, poch: Wer da, in des andern Teufels Namen? Mein Treu, ein Zweideutler, der in beide Schalen gegen jede Schale schwören konnte, der um Gottes willen Verrätereien genug beging und sich doch nicht zum Himmel hinein zweideuteln konnte. Herein, Zweideutler!--

(Klopfen.)

Poch, poch, poch: Wer da? Mein Treu, ein englischer Schneider, hier angekommen, weil er etwas aus einer französischen Hose gestohlen. Herein, Schneider; hier kannst du deine Bügelgans braten.

(Klopfen.)

Poch, poch--Keine Ruhe! Wer seid ihr? Aber hier ist es zu kalt für die Hölle; ich mag nicht länger Teufelspförtner sein. Ich dachte, ich wollte von jedem Gewerbe einige hereinlassen, die den breiten Rosenpfad zum ewigen Freudenfeuer wandeln.--

(Klopfen.)

Gleich, gleich! Ich bitt euch, bedenkt doch, daß der Pförtner auch ein Mensch ist.

(Er öffnet das Tor: Macduff und Lenox kommen herein.)

MACDUFF Kamst du so spät zu Bett, Freund, daß du nun so spät aufstehst?

PFÖRTNER Mein Seel, Herr, wir zechten, bis der zweite Hahn krähte; und der Trunk ist ein großer Beförderer von drei Dingen.

MACDUFF Was sind denn das für drei Dinge, die der Trunk vorzüglich befördert?

PFÖRTNER Ei, Herr, rote Nasen, Schlaf und Urin. Buhlerei befördert und dämpft er zugleich; er befördert das Verlangen und dämpft das Tun. Darum kann man sagen, daß vieles Trinken ein Zweideutler gegen die Buhlerei ist: es schafft sie und vernichtet sie, treibt sie an und hält sie zurück, macht ihr Mut und schreckt sie ab, heißt sie sich brav halten und nicht brav halten, zweideutelt sie zuletzt in Schlaf, straft sie Lügen und geht davon.

MACDUFF Ich glaube, der Trunk strafte dich die Nacht Lügen.

PFÖRTNER Ja, Herr, das tat er, in meinen Hals hinein; aber ich vergalt ihm seine Lügen, und ich denke, ich war ihm doch zu stark: denn obgleich er mir die Beine ein paarmal unten wegzog, so fand ich doch einen Kniff, ihn hinauszuschmeißen.

MACDUFF Ist dein Herr schon aufgestanden? Geweckt hat unser Klopfen ihn; hier kommt er.

(Macbeth tritt auf.)

LENOX Guten Morgen, edler Herr!

MACBETH Guten Morgen, beide!

MACDUFF Wacht schon der König, würdger Than?

MACBETH Noch nicht.

MACDUFF Mir gab er den Befehl, ihn früh zu wecken; Die Zeit versäumt ich fast.

MACBETH Ich führ Euch hin.

MACDUFF Ich weiß, es ist 'ne Müh, die Euch erfreut; Doch es ist eine Müh.

MACBETH Die Arbeit, die uns freut, wird zum Ergötzen. Hier ist die Tür.

MACDUFF Ich wag es, ihn zu wecken, Denn das ward mir befohlen.

(Er geht ab.)

LENOX Reist der König Heut ab?

MACBETH So ists, er hat es so bestimmt.

LENOX Die Nacht war stürmisch; wo wir schliefen, riß es Den Schlot herab, und wie man sagt, erscholl Ein Wimmern in der Luft, ein Todesstöhnen, Ein Prophezein in fürchterlichem Laut Von wildem Brand und gräßlichen Geschichten, Neu ausgebrütet einer Zeit des Leidens. Der dunkle Vogel schrie die ganze Nacht. Man sagt, die Erde bebte fieberkrank.

MACBETH Es war 'ne rauhe Nacht.

LENOX Mein jugendlich Gedächtnis sucht umsonst Nach ihresgleichen.

(Macduff kommt [von oben herunter] zurück.)

MACDUFF O Grausen, Grausen, Grausen! Zung und Herz Faßt es nicht, nennt es nicht!

MACBETH und LENOX Was ist geschehn?

MACDUFF Jetzt hat die Höll ihr Meisterstück gemacht! Der kirchenräuberische Mord brach auf Des Herrn geweihten Tempel und stahl weg Das Leben aus dem Heiligtum.

MACBETH Was sagt Ihr? Das Leben?

LENOX Meint Ihr Seine Majestät?

MACDUFF Geht ein zur Kammer und zerstört die Sehkraft Durch eine neue Gorgo! Laßt mich schweigen; Seht, und dann redet selbst!

(Macbeth und Lenox gehen ab.)

Erwacht, erwacht!

([Macbeth und Lenox gehen ab.])

Die Sturmglock angeschlagen! Mord! Verrat! Banquo und Donalbain! Malcolm! Erwacht! Werft ab den flaumgen Schlaf, des Todes Abbild, Und seht ihn selbst, den Tod! Auf, auf, und schaut Des Weltgerichtes Vorspiel! Malcolm! Banquo! Steigt wie aus eurem Grab, wie Geister schreitet, Als Graungefolge diesen Mord zu schaun!

[Die Glocken stürmt!]

(Die Lärmglocke läutet. Lady Macbeth tritt auf.)

LADY MACBETH Was ist denn vorgefallen, Daß solche schreckliche Trompete ruft Zum Rat die Schläfer dieses Hauses? Sprecht!

MACDUFF O zarte Frau, Ihr dürft nicht hören, was ich sagen könnte. Vor eines Weibes Ohr es nennen, wäre Ein Mord, wie Ihrs vernähmt.

(Banquo tritt auf.)

O Banquo, Banquo! Der König, unser Herr, ermordet!

LADY MACBETH Wehe! In unserm Haus?

BANQUO Zu grausam, wo auch immer!-- O lieber Macduff, widersprich dir selber Und sag, es sei nicht so.

(Macbeth und Lenox kommen mit Rosse zurück.)

MACBETH War ich gestorben, eine Stunde nur, Eh dies geschah, gesegnet war mein Dasein! Von jetzt gibt es nichts Ernstes mehr im Leben; Alles ist Tand, gestorben Ruhm und Gnade! Der Lebenswein ist ausgeschenkt, nur Hefe Blieb noch zu prahlen dem Gewölbe.

(Malcolm und Donalbain treten auf.)

DONALBAIN Wem Geschah ein Leid?

MACBETH Euch selbst, und wißt es nicht: Der Born, der Ursprung Eures Blutes ist Versiegt, die Lebensquelle selbst versiegt.

MACDUFF Eur königlicher Vater ist ermordet.

MALCOLM Ha! Von wem?

LENOX Die Kämmerlinge, scheint es, sind die Täter; Denn Händ und Antlitz trugen blutge Zeichen, Auch ihre Dolche, die unabgewischt Auf ihren Polstern lagen. Wie im Wahnsinn, So starrt' ihr Auge, und es war gefährlich, Nur ihnen nah zu kommen.

MACBETH Oh, jetzt bereu ich meine Wut, daß ich Sie niederstieß.

MACDUFF Warum habt Ihrs getan?

MACBETH Wer ist weis' und entsetzt, gefaßt und wütig, Pflichttreu und kalt in einem Augenblick? Kein Mensch. Die Raschheit meiner heftgen Liebe Lief schneller als die zögernde Vernunft. Duncan lag hier, die Silberhaut verbrämt Mit seinem goldnen Blut; die offnen Wunden, Sie waren wie ein Riß in der Natur, Eingang verheernden Unheils; dort die Mörder, Getaucht in ihres Handwerks Farb, die Dolche Abscheulich von geronnenem Blute schwarz. Wer konnte sich da zügeln, der ein Herz Voll Liebe hatt und in dem Herzen Mut, Die Liebe zu beweisen?

LADY MACBETH Helft mir fort!

MACDUFF Seht nach der Lady!

MALCOLM Weshalb schweigen wir, Da unser Anspruch an dies Weh der nächste?

DONALBAIN Was solln wir sprechen, hier, wo unser Schicksal Herstürzen kann aus irgendeinem Winkel, Uns zu ergreifen? Fort, denn unsre Tränen Sind noch nicht reif.

MALCOLM Noch unser heftger Gram Zu handeln schon bereit.

BANQUO Seht nach der Lady!

(Lady Macbeth wird fortgeführt.)

Und haben wir verhüllt erst unsre Blößen, Die so zu zeigen unschicklich, so treffen Wir uns, der blutgen Untat nachzuforschen Bis auf den Grund. Uns schütteln Furcht und Zweifel; Ich steh in Gottes großer Hand, und so Kämpf ich der ungesprochnen Anmutung Bösen Verrats entgegen.

MACDUFF So auch ich.

ALLE Wir alle.

MACBETH Wir wolln uns vollends anziehn und bald wieder Uns in der Halle treffen.

ALLE Wohl, so sei's!

(Malcolm und Donalbain bleiben; die übrigen gehn ab.)

MALCOLM Was tust du? Laß uns nicht zu ihnen halten. Erlognen Schmerz zu zeigen, ist 'ne Kunst, Die leicht dem Falschen wird. Ich geh nach England.

DONALBAIN Nach Irland ich; unser getrenntes Glück Verwahrt uns besser. Wo wir sind, drohn Dolche In jedes Lächeln, und je blutsverwandter, So mehr verwandt dem Tode.

MALCOLM Der mörderische Pfeil ist abgeschossen Und fliegt noch; Sicherheit ist nur für uns, Vermeiden wir das Ziel. Drum schnell zu Pferde, Und zaudern wir nicht, jene noch zu grüßen, Nein, heimlich fort! Nicht strafbar ist der Dieb, Der selbst sich stiehlt, wo keine Gnad ihm blieb.

(Sie gehn ab.)

VIERTE SZENE

(Daselbst. Vor dem Schloß)

(Rosse tritt auf mit einem alten Mann.)

ALTER Auf siebzig Jahr kann ich mich gut erinnern; In diesem Zeitraum sah ich Schreckenstage Und wunderbare Ding; doch diese böse Nacht Macht alles Vorge klein.

ROSSE O guter Vater, Der Himmel, sieh, als zürn er Menschentaten, Droht dieser blutgen Bühn. Die Uhr zeigt Tag, Doch dunkle Nacht erstickt die Wanderlampe. Ists Sieg der Nacht, ist es die Scham des Tages, Daß Finsternis der Erd Antlitz begräbt, Wenn lebend Licht es küssen sollte?

ALTER Unnatürlich, Wie die geschehne Tat. Am letzten Dienstag Sah ich, wie stolzen Flugs ein Falke schwebte Und eine Eul ihm nachjagt' und ihn würgte.

ROSSE Und Duncans Rosse, seltsam ists, doch sicher, So rasch und schön, die Kleinod' ihres Bluts, Brachen, verwildert ganz, aus ihren Ställen Und stürzten fort, sich sträubend dem Gehorsam, Als wollten Krieg sie mit den Menschen führen.

ALTER Man sagt, daß sie einander fraßen.

ROSSE Ja; Entsetzlich wars, ich hab es selbst gesehn. Da kommt der edle Macduff--

(Macduff tritt auf.)

Nun, Herr, wie geht die Welt?

MACDUFF Ei, seht Ihrs nicht?

ROSSE Weiß man, wer tat die mehr als blutge Tat?

MACDUFF Jene, die Macbeth tötete.

ROSSE O Jammer! Was hofften sie davon?

MACDUFF Sie warn gedungen. Malcolm und Donalbain, des Königs Söhne, Sind heimlich fort, entflohn; dies wälzt auf sie Der Tat Verdacht.

ROSSE Stets gegen die Natur! Verschwenderischer Ehrgeiz, so verschlingst du Des eignen Lebens Unterhalt!--So wird Die Königswürde wohl an Macbeth fallen?

MACDUFF Er ist ernannt schon und zu seiner Krönung Nach Scone gegangen.

ROSSE Wo ist Duncans Leichnam?

MACDUFF Nach Colmes-Kill führt man ihn zur heilgen Gruft, Wo die Gebeine seiner Ahnen alle Versammelt ruhn.

ROSSE Geht Ihr nach Scone?

MACDUFF Nein, Vetter, Ich geh nach Fife.

ROSSE So will ich hin.

MACDUFF Lebt wohl! Mag alles so geschehn, daß wir nicht sagen: Bequemer war der alte Rock zu tragen!

([Er geht ab.])

ROSSE Vater, lebt wohl!

ALTER Gott segne Euch und den, der redlich denkt; Unheil zum Heil, Zwietracht zum Frieden lenkt!

(Sie gehen ab.)


Inhalte dieser Seite sind Eigentum der Öffentlichkeit.
Sollten trotzdem Urheberrechte entgegen unserem Wissen verletzt worden sein, bitte per eMail melden.


[Startseite] [Fragen&Antworten] [Partner/Links] [Impressum]